Mini Aceman SE im Supertest: Effizienzwunder mit Reichweitenproblem

EV-Supertest-Wertung

Gesamtwertung

58,3 % 3,50 / 6

Preis/Leistung

4,0 / 6

Separate Kennzahl, nicht im Ranking.

Der Mini Aceman SE ist ein Charakterdarsteller. Sein Antrieb ist der effizienteste, den der ADAC bislang in einem Elektroauto gemessen hat, sein Fahrwerk liefert das versprochene Gokart-Gefühl, und der Innenraum ist eine gestalterische Freude. Nur muss man dafür einiges hinnehmen: ein sehr straffes Fahrwerk ohne Restkomfort, eine Vorderachse, die mit 218 PS erkennbar überfordert ist, einen knappen Fond und vor allem die Kombination aus kleiner Batterie und schwachem Ladepeak, die jede Langstrecke in eine Geduldsprobe verwandelt. Als Stadt- und Pendlerauto mit eigener Wallbox ist er eine ehrliche Empfehlung — als Alleinfahrzeug für Vielfahrer nicht. Beim Preis geht der Mini in der Basisausstattung in Ordnung; in den höheren Ausstattungslinien verliert er dieses Argument schnell.

Pro

  • Effizientester Antrieb im ADAC Ecotest: 15,5 kWh/100 km inklusive Ladeverluste
  • Sehr agiles Fahrverhalten mit direkter Lenkung und Mehrlenker-Hinterachse
  • Solide Verarbeitung und gestalterisch herausragender Innenraum
  • Umfangreiche Serienassistenz, Wärmepumpe und Batterie-Vorkonditionierung serienmäßig
  • Anhängelast von 750 kg — in dieser Klasse keine Selbstverständlichkeit

Contra

  • Sehr straffes Fahrwerk mit deutlich eingeschränktem Federungskomfort
  • Reichweite von rund 365 km ist auch für einen Kleinwagen knapp
  • Ladepeak von gut 100 kW und 31 Minuten von 10 auf 80 Prozent bremsen auf Langstrecke
  • Traktionsprobleme und spürbare Antriebseinflüsse in der Lenkung
  • Ablenkende Bedienung über das zentrale Display, kein Tacho ohne Aufpreis-Head-up-Display
  • Kein Frunk, kein bidirektionales Laden, keine Rekuperationswippen

Der Mini Aceman SE ist der Versuch, das Gokart-Gefühl der Marke in ein Zeitalter zu retten, in dem Effizienz und Ladeleistung die Gesprächsthemen sind. Er ist 4,08 Meter kurz, rein elektrisch entwickelt und schiebt sich zwischen den dreitürigen Cooper und den deutlich größeren Countryman. Was ihn interessant macht: Im standardisierten Ecotest des ADAC fuhr er den niedrigsten Stromverbrauch ein, den der Club bis dahin bei einem Elektroauto gemessen hat. Was ihn schwierig macht: An der Schnellladesäule und auf der Autobahn zeigt derselbe Wagen deutliche Grenzen. Wir haben die öffentlich verfügbaren Messdaten und Fahrurteile für euch zusammengetragen und nach unserem Raster bewertet.

Bildergalerie

Mini Aceman SE Aussenansicht
Mini Aceman SE Heckansicht
Mini Aceman SE Seitenansicht
Mini Aceman SE Innenraum
Mini Aceman SE Infotainment
Mini Aceman SE Sitze
Mini Aceman SE Kofferraum

Technische Daten

Marktstart 2024
Basispreis 33.500 €
Nutzbare Batterie 49,2 kWh
Realverbrauch 15,5 kWh/100 km
Verbrauch WLTP 14 kWh/100 km
Reale Reichweite 365 km
Ladeleistung (Peak) 101 kW
Ladezeit 10–80 % 31 min
0–100 km/h 7,1 s
Höchstgeschwindigkeit 170 km/h
Kofferraum 300 l
Frunk 0 l
Sitzplätze 5 Sitze
Anhängelast 750 kg
Wendekreis 11,1 m
Maße (L×B) 4.079 × 1.754 mm
Antrieb Frontantrieb

Reichweite & Verbrauch: sparsam, aber der Tank ist klein

Fangen wir mit der guten Nachricht an. Im ADAC Ecotest, einem standardisierten Mischzyklus unter Laborbedingungen, genehmigte sich der Aceman SE 15,5 kWh auf 100 Kilometer — inklusive der Verluste, die beim Wechselstromladen mit 11 kW anfallen. Das war zum Testzeitpunkt der beste Wert im gesamten Feld und brachte ihm die volle Sternewertung sowie einen Spitzenplatz im Ecotest-Jahrgang. Für ein 1,8 Tonnen schweres Fahrzeug mit hoher Sitzposition ist das eine bemerkenswerte Leistung des Antriebsstrangs.

Die schlechte Nachricht steckt in der Batterie. Nutzbar sind 49,2 kWh, und daraus errechnet der ADAC eine Reichweite von rund 365 Kilometern. Der Club selbst nennt das ein mageres Ergebnis und führt die schwache Reichweite unter den Schwächen des Autos — die Effizienz allein rettet eben keine kleine Zelle. Andere Datenbasen sind noch nüchterner: Die EV-Database veranschlagt kombiniert etwa 290 Kilometer im Alltag und auf der Autobahn zwischen rund 265 Kilometern im Sommer und knapp über 200 im Winter bei minus zehn Grad.

Im echten Betrieb liegt der Verbrauch deutlich über dem Prüfstandswert. Die Kollegen von VISION mobility maßen auf ihrer eigenen Testrunde 21,3 kWh pro 100 Kilometer inklusive Ladeverluste — allerdings auf Winterreifen. Carwow warnt, dass die Werte auf der Autobahn zügig über die 20er-Marke klettern. Für Pendelstrecken bis etwa 60 Kilometer am Tag und Laden zu Hause ist das völlig unproblematisch. Wer dagegen regelmäßig 300 Kilometer am Stück fährt, plant im Winter besser einen Stopp ein.

Laden & Reisetauglichkeit: hier bremst der Mini spürbar

Am Gleichstromlader nimmt der Aceman SE laut Hersteller bis zu 95 kW an. Der ADAC hat nachgemessen und kam kurzzeitig auf 101 kW, im Mittel über den Ladehub von 10 auf 80 Prozent aber nur auf 72 kW. Unter optimalen Bedingungen dauert dieser Sprung 31 Minuten. Das ist kein Drama, aber es ist auch nichts, womit man 2026 noch Eindruck macht — in derselben Preisregion laden mehrere Konkurrenten in gut zwanzig Minuten nach.

Die Kombination aus knapper Kapazität und mäßigem Ladepeak addiert sich auf der Langstrecke unangenehm. Die EV-Database vergibt für die Langstreckentauglichkeit nur anderthalb von fünf Sternen; ihr Referenzwert, die Distanz mit einem einzigen 15-Minuten-Stopp, liegt bei rund 308 Kilometern. VISION mobility formuliert es in ihrem Test schlicht so, dass es dem Aceman an Effizienz und Ladetechnik fehle, um als echter BMW-Ableger durchzugehen. Wärmepumpe und automatische Batterie-Vorkonditionierung über die Zielführung im Navi sind immerhin serienmäßig an Bord und helfen im Winter.

Beim Nutzwert überrascht der Mini positiv: Anders als etliche elektrische Kleinwagen darf er einen gebremsten Anhänger von 750 Kilogramm ziehen — die Kupplung kostet allerdings Aufpreis. Für den Fahrradträger oder den Anhänger zum Baumarkt reicht das. Für die Urlaubsfahrt mit Last am Haken ist der Aceman schon wegen der Reichweite die falsche Wahl.

Antrieb & Fahrdynamik: viel Spaß, ein echtes Problem

160 kW, also 218 PS, wandern über die Vorderachse auf die Straße. In 7,1 Sekunden geht es auf Tempo 100, bei 170 km/h regelt die Elektronik ab. Das ist für einen Kleinwagen flott und für die Autobahn vollkommen ausreichend — schnellere Etappen würden ohnehin die Reichweite ruinieren. Der ADAC bewertet den Antrieb in seiner Teilnote als beinahe makellos und lobt das spontane Ansprechverhalten und die gute Entkopplung von der Karosserie.

Beim Handling sind sich die Tester ungewöhnlich einig. Eine Mehrlenker-Hinterachse, die in dieser Klasse selten ist, ein tiefer Schwerpunkt und eine sehr direkt übersetzte Lenkung ergeben ein Auto, das kaum wankt und präzise einlenkt. InsideEVs beschreibt den Aceman als straff, aber runder abgestimmt als den kleinen Cooper.

Dann kommt die Kehrseite, und sie ist deutlich. Die ADAC-Ingenieure protokollieren, dass die Vorderachse mit dem kräftigen Antrieb überfordert ist: Bei voller Beschleunigung dreht der Mini die Räder durch, zieht auf gerader Strecke spürbar zur Seite und meldet die Kraft ungefiltert ins Lenkrad zurück. Bei nasser Fahrbahn passiert das schon bei moderatem Pedaldruck. Mini hat das bewusst so abgestimmt, damit man die Haftgrenze spürt — überzeugend ist die Begründung nicht. InsideEVs bringt es auf den Punkt: Ein Heckantrieb hätte diesem Auto besser gestanden.

Komfort & Geräusch: die klarste Schwäche

Wer beim Aceman auf Federungskomfort hofft, wird enttäuscht. Der ADAC vergibt hier seine schlechteste Teilnote und schreibt von einem sehr straffen Fahrwerk mit wenig Restkomfort. Lange Bodenwellen kaschiert er noch, kurze Stöße führen zum Stuckern und Wippen, und über Kanten oder abgesackte Pflastersteine reagiert der Wagen bockig. Auf der Autobahn kann das Nachwippen so weit gehen, dass der Kopf periodisch Kontakt zur Kopfstütze bekommt.

InsideEVs schildert die Szene anschaulich: Der Beifahrer stöhnte nach zwanzig Metern über die Härte. Der ACE spricht von holprigem Fahrkomfort, besonders auf schlechten Straßen. Das ist keine Ausstattungsfrage, sondern die bewusste Grundabstimmung des Autos. Wer täglich über kopfsteingepflasterte Innenstädte oder ausgefranste Landstraßen fährt, sollte unbedingt Probe fahren, bevor er unterschreibt.

Der Geräuschkomfort ist erfreulicher. Innerorts bleibt es im Innenraum angenehm ruhig, der Antrieb bleibt bis auf ein leises Fiepen unhörbar. Windgeräusche werden ab etwa 130 km/h an den A-Säulen deutlich, und die Abrollgeräusche der harten Fahrwerkslager dringen mit in den Innenraum. Unterm Strich ordentlich, aber nicht mehr.

Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: schön gestaltet, kompakt geblieben

Der Aceman ist ein Fünfsitzer, und das ist mit Ansage zu verstehen: Der Radstand von 2,61 Metern liefert vorne reichlich Platz — der Fahrersitz lässt sich für Menschen bis 1,95 Meter zurückschieben — hinten wird es dagegen knapp. Der ADAC nennt die Fondverhältnisse knapp bemessen; bis etwa 1,85 Meter Körpergröße geht es, darüber nicht mehr komfortabel. Bei nur 1,75 Metern Außenbreite ist die Schulterfreiheit auf der Rückbank ohnehin überschaubar.

Der Kofferraum fasst 300 Liter und liegt damit exakt auf Kleinwagenniveau. Umgeklappt sind rund 1.005 Liter drin. VISION mobility hat ausprobiert, dass ein Faltrad gerade eben hineinpasst — mehr aber auch nicht. Einen Frunk unter der Fronthaube gibt es nicht, das Ladekabel wandert also in den Kofferraum.

Bei der Verarbeitung liefert der Mini ab: feste Passungen, versiegelte Nähte, ein vollständig verkleideter Unterboden. Die Materialanmutung ist die zweite Geschichte. Harter Kunststoff dominiert das Ambiente, wenn auch meist lederartig texturiert, und einzelne Kanten sind nur mäßig entgratet. Das gestrickte Recycling-Gewebe auf dem Armaturenbrett ist gestalterisch großartig — es kaschiert aber nicht, dass unterhalb der Sichtlinie gespart wurde. Für ein Auto, das mit Premium-Anspruch antritt, ist das ein spürbarer Widerspruch.

Software, Bedienung & E-Funktionen: brillanter Bildschirm, ablenkende Bedienung

Das runde OLED-Display in der Mitte ist der Star des Innenraums und wird quer durch alle Tests für Schärfe, Farben und Gestaltung gelobt. Die Kartendarstellung mit Satellitenansicht macht Eindruck, die Multimedia-Ausstattung bekommt vom ADAC eine sehr gute Teilnote. Darunter sitzt die Kippschalterleiste, mit der sich Fahrstufe, Fahrmodus und der starke Rekuperationsmodus mechanisch bedienen lassen — ein kluges Zugeständnis an die Ergonomie.

Trotzdem kritisiert der ADAC die Bedienung als ablenkungsintensiv, weil zu viel über das zentrale Display läuft und der Blick zu weit von der Straße wandert. Klimatisierung und Sitzheizung liegen im Touchscreen. Und weil hinter dem Lenkrad kein Tacho sitzt, braucht man faktisch das Head-up-Display, das aber nur im Aufpreis-Paket zu haben ist. Lenkradwippen zum Verstellen der Rekuperation, wie sie Hyundai oder Kia selbstverständlich mitliefern, fehlen ganz.

Bei den E-Funktionen ist das Bild geteilt. Wärmepumpe, ladeoptimierte Routenplanung und automatische Vorkonditionierung der Batterie sind serienmäßig, die Assistenzsysteme sind umfangreich und funktionieren laut ADAC tadellos — der adaptive Abstandsregeltempomat und der volle Notbremsassistent sind allerdings Paketware. Bidirektionales Laden gibt es nicht, weder für Geräte noch fürs Haus, und es ist auch technisch nicht vorbereitet. Zusammen mit dem fehlenden Frunk bleiben so ein paar Lücken, die in dieser Preisklasse längst gefüllt sein könnten.

Bildergalerie

Mini Aceman SE Aussenansicht
Mini Aceman SE Heckansicht
Mini Aceman SE Seitenansicht
Mini Aceman SE Innenraum
Mini Aceman SE Infotainment
Mini Aceman SE Sitze
Mini Aceman SE Kofferraum

Einordnung im Ranking

Der Mini Aceman SE ist ein Auto mit sehr klarem Profil. Er ist effizient, fahraktiv und schön gemacht, und er ist gleichzeitig eng, hart gefedert und auf der Langstrecke umständlich. Wer die meisten Kilometer in der Stadt und auf der Landstraße abspult und zu Hause laden kann, bekommt hier eines der charaktervollsten Elektroautos seiner Klasse. Wer regelmäßig Autobahn fährt oder eine Familie transportiert, findet beim Smart #1 mehr Raum, beim Volvo EX30 mehr Antritt und bei fast jedem Konkurrenten mehr Ladeleistung.

Beim Preis fällt die Rechnung zugunsten des Mini aus: Für das, was der SE an Substanz, Effizienz und Ausstattung bietet, ist er etwas günstiger, als man erwarten würde — vorausgesetzt, man bleibt bei der Basisausstattung. Die Optionslisten sind lang und teuer, und mit dem empfehlenswerten Head-up-Display sowie den gefälligeren Ausstattungslinien wandert der Aceman schnell in Regionen, in denen die Rechnung nicht mehr aufgeht.

Bildquellen

  • Mini Aceman SE Aussenansicht — © BMW Presseportal
  • Mini Aceman SE Heckansicht — © BMW Presseportal
  • Mini Aceman SE Seitenansicht — © BMW Presseportal
  • Mini Aceman SE Innenraum — © BMW Presseportal
  • Mini Aceman SE Infotainment — © BMW Presseportal
  • Mini Aceman SE Sitze — © BMW Presseportal
  • Mini Aceman SE Kofferraum — © BMW Presseportal

Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.

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