EV-Supertest-Wertung
Gesamtwertung
Preis/Leistung
2,5 / 6Separate Kennzahl, nicht im Ranking.
Bewertung im Detail
Fazit
Der Toyota bZ4X der ersten Generation ist ein überraschend effizientes, gut verarbeitetes Familien-SUV mit großzügigem Fond – ein starker Alltagsbegleiter für alle, die zu Hause laden können. Seine klaren Schwächen liegen beim langsamen, kälteempfindlichen Laden, der nur mittleren Autobahnreichweite und den fehlenden E-Funktionen wie Ladeplanung und Batterie-Vorkonditionierung. Für Pendeln und Stadt eine stimmige Wahl, für die große Langstrecke nur bedingt – und für das Gebotene etwas zu teuer angesetzt.
Pro
- Überraschend niedriger Realverbrauch für ein rund zwei Tonnen schweres SUV
- Großzügiges Platzangebot im Fond dank langem Radstand
- Solide, überwiegend hochwertige Verarbeitung
- Bedienung mit echten Tasten und kabellosem Apple CarPlay / Android Auto
Contra
- Schwache Reisetauglichkeit: langsames, bei Kälte stark einbrechendes Laden
- Fehlende E-Funktionen: keine Ladeplanung, keine Vorkonditionierung, keine Prozent-Akkuanzeige
- Straffes Fahrwerk, je nach Straße unruhig
- Nur mittlere Autobahn- und Winterreichweite
Toyota hat sich lange Zeit gelassen mit dem ersten eigenen Elektroauto – und 2022 dann gleich ein SUV mit ungewöhnlichem Namen und kantigem Design auf die Straße gestellt. Der bZ4X in der hier getesteten Frontantriebs-Variante (150 kW, 71-kWh-Akku) ist ein Familien-Stromer der Kompaktklasse, der vor allem Pendlerinnen und Familien anspricht, die einen soliden, effizienten Alltagsbegleiter suchen. Unterm Strich zeigt sich ein Auto mit einer starken Effizienz-Seite und deutlichen Schwächen beim Laden und bei den E-Funktionen. Wichtig vorweg: Wir bewerten hier die ursprüngliche Generation von 2022 bis 2024 – nicht das umfangreiche Facelift, das seit Anfang 2026 ausgeliefert wird und vieles verbessert.
Bildergalerie
Technische Daten
Reichweite & Verbrauch: die überraschend sparsame Seite
Beim Verbrauch überrascht der bZ4X positiv. Im standardisierten ADAC-Ecotest genehmigt sich der Fronttriebler nur 17,0 kWh auf 100 Kilometer – und das inklusive der Verluste, die beim Laden an der Steckdose anfallen. Für ein SUV, das rund zwei Tonnen wiegt, ist das ein richtig guter Wert, den der ADAC selbst als „überraschend niedrig“ einordnet. Zum Vergleich: Der WLTP-Normwert liegt bei 14,4 kWh. Unabhängige Effizienz-Datenbanken sehen den Alltagsschnitt bei rund 18 bis 19 kWh, also in derselben Größenordnung.
Praktisch heißt das: Wer überwiegend in Stadt und Überland unterwegs ist, fährt günstig. Ein großer Hebel ist die Radgröße – die sparsamen Werte gelten für die 18-Zöller; mit 20-Zoll-Rädern steigt der Verbrauch spürbar. Aus der nutzbaren Kapazität von rund 64 kWh ergibt sich im Mischbetrieb eine Reichweite von etwa 400 Kilometern. Das reicht für den Alltag bequem aus.
Die Kehrseite zeigt sich, sobald es aufs Tempo und in die Kälte geht. Bei zügiger Autobahnfahrt schmilzt die Reichweite im Sommer auf etwa 300 Kilometer, und im ADAC-Wintertest kam der bZ4X bei Frost nur 233 Kilometer weit – der kürzeste Wert im damaligen Vergleichsfeld. Als reines Langstreckenauto ist er damit nur bedingt gemacht.
Laden & Reisetauglichkeit: hier liegt die große Schwachstelle
So sparsam der bZ4X fährt, so zäh lädt er. Am Schnelllader maß der ADAC eine Spitzenleistung von 140 kW und im Schnitt über den Bereich 10 bis 80 Prozent rund 91 kW. Toyota gibt für diesen Ladehub etwa 30 Minuten an. In der Praxis dauert es oft länger, denn der Wagen kann seine Batterie nicht vorwärmen (Vorkonditionierung) – gerade bei Kälte bricht die Ladeleistung deshalb deutlich ein.
Im Alltag bedeutet das planbare, aber spürbare Pausen. Der ADAC rechnet für die Strecke München–Berlin drei Ladestopps vor; in 20 Minuten lädt der bZ4X nur etwa 126 Kilometer nach. Dazu kommt bei dieser frühen Generation ein echtes Komfortmanko: Es gibt keine Ladeplanung, die Stopps entlang der Route automatisch einplant. Wer viel Langstrecke fährt, spürt diese Lücke am stärksten – hier verliert der Toyota gegen praktisch alle direkten Konkurrenten.
Antrieb & Fahrdynamik: unaufgeregt, aber mit Spaßpotenzial
Der Frontantrieb leistet 150 kW (204 PS) und schiebt den bZ4X in 7,5 Sekunden auf Tempo 100. Das ist solide und für den Alltag völlig ausreichend, ohne besonders aufzufallen. Das maximale Drehmoment von 265 Nm liegt wie bei E-Autos üblich sofort an, sodass sich der Toyota beim Ampelstart spritzig anfühlt.
Beim Handling hilft das ungewöhnlich kleine Lenkrad, das dem SUV eine gewisse Handlichkeit verleiht – mehrere Tester attestieren dem bZ4X sogar echten Fahrspaß, was man einem Toyota-Familien-SUV nicht unbedingt zutraut. Die stärkere Allradversion (160 kW, 6,9 Sekunden) wirkt noch eine Spur agiler. Die ehrliche Einschränkung: Ein Dynamik-Wunder ist der Fronttriebler nicht, und bei forscher Fahrweise muss die Elektronik gelegentlich eingreifen.
Komfort & Geräusch: eher straff abgestimmt
Beim Fahrkomfort gehen die Urteile der Tester auseinander – und das sagen wir bewusst offen. Ein Teil der Fachpresse beschreibt das Fahrwerk als eher hart und bei Unebenheiten unruhig; andere Tester finden die Abstimmung durchaus komfortabel und loben, dass der bZ4X dank des tief liegenden Akkus satt auf der Straße liegt.
In der Summe läuft es auf eine straffe Grundabstimmung hinaus, die im Alltag brauchbar ist, ohne zur Sänfte zu werden. Ein adaptives oder luftgefedertes Fahrwerk gibt es nicht – bewertet wird also der serienmäßige Zustand. Wer viel auf schlechten Straßen oder langen Autobahnetappen unterwegs ist, sollte vorab Probe fahren, ob ihm die Abstimmung zusagt.
Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: viel Platz, ein paar Eigenheiten
Im Innenraum punktet der bZ4X vor allem im Fond: Dank des langen Radstands von 2,85 Metern strecken auch große Passagiere die Beine bequem aus. Die Kopffreiheit hinten wird allerdings ab etwa 1,90 Meter Körpergröße knapp. Der Kofferraum fasst 452 Liter – urlaubstauglich, aber für die Fahrzeuggröße eher Kompaktklasse-Niveau. Einen zusätzlichen Stauraum unter der Fronthaube (Frunk) gibt es nicht.
Die Verarbeitung loben die meisten Tester: solide gemacht, überwiegend hochwertige Materialien. Kritikpunkte sind die kratzeranfälligen Hartplastik-Verkleidungen in den Radkästen und die eine oder andere Sparstelle. Eine Eigenheit sorgt regelmäßig für Diskussionen: Ein klassisches Handschuhfach fehlt. Toyota setzt stattdessen auf große Ablagen und eine wuchtige Mittelkonsole – Geschmackssache, aber im Alltag durchaus praktikabel.
Software, Bedienung & E-Funktionen: gut bedienbar, aber lückenhaft
Bei der Bedienung macht der bZ4X vieles richtig: Es gibt echte physische Tasten für wichtige Funktionen, Apple CarPlay und Android Auto sind kabellos an Bord, und der Menüaufbau gilt als übersichtlich. Eine kleine Eigenheit ist das hoch platzierte, aber kleine Sieben-Zoll-Display: Je nach Sitz- und Lenkradeinstellung wird es teils vom Lenkradkranz verdeckt.
Schwerer wiegen die fehlenden E-Funktionen dieser Generation. Es gibt keine Anzeige des Akkustands in Prozent, keine Ladeplanung und – wie erwähnt – keine Batterie-Vorkonditionierung. Eine Wärmepumpe ist immerhin vorhanden. Die Assistenzsysteme arbeiten laut ADAC angenehm unaufdringlich, während die Sprachsteuerung in Tests eher enttäuschte. Genau an diesen Punkten hat Toyota beim späteren Facelift kräftig nachgebessert.
Einordnung im Ranking
Der Toyota bZ4X trifft auf ein hart umkämpftes Feld: VW ID.4, Škoda Enyaq, Ford Mustang Mach-E, Kia EV6, Hyundai Ioniq 5 und Tesla Model Y buhlen um dieselben Käufer. In diesem Umfeld spielt der Toyota seine Stärken bei Effizienz, Platzangebot und Verarbeitung aus, fällt aber beim Laden, bei der Reisetauglichkeit und beim Umfang der E-Funktionen hinter viele Rivalen zurück.
Am besten passt der bZ4X zu Menschen, die zu Hause oder bei der Arbeit laden können und ihr Auto vor allem für Pendeln, Stadt und Überland brauchen – dort spielt der niedrige Verbrauch seine Vorzüge aus. Vielfahrer, die regelmäßig lange Autobahnstrecken mit knappen Ladepausen abspulen, sind mit schneller ladenden Konkurrenten besser bedient. Beim Preis-Leistungs-Verhältnis ist der bZ4X für das Gebotene etwas teuer angesetzt.
Im EV-Supertest-Ranking · Platz 79 von 104
Quellen
- ADAC Ecotest – Toyota bZ4X Comfort-Paket (08/2023)
- ADAC Winter-Reichweitentest – Toyota bZ4X FWD
- ADAC – Toyota bZ4X Modell- und Fahrbericht
- EV Database – Toyota bZ4X FWD (MY22-24)
- InsideEVs – Toyota bZ4X AWD Test (2022)
- InsideEVs – Toyota bZ4X 2026 Test (Generationsabgrenzung)
- auto-motor.at – Toyota bZ4X AWD Style Test (2023)
- motorprofis.at – Test Toyota bZ4X
- Carwow – Toyota bZ4X
Bildquellen
- Toyota bz4x Aussenansicht — © Toyota Presseportal
- Toyota bz4x Seitenansicht — © Toyota Presseportal
- Toyota bz4x Innenraum — © Toyota Presseportal
- Toyota bz4x Infotainment — © Toyota Presseportal
- Toyota bz4x Kofferraum — © Toyota Presseportal
Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.
