Fiat 500e (42 kWh) im Test: Stilvoller Stadtstromer mit ehrlichen Grenzen

EV-Supertest-Wertung

Gesamtwertung

51,7 % 3,10 / 6

Preis/Leistung

3,0 / 6

Separate Kennzahl, nicht im Ranking.

Der Fiat 500e mit großem Akku ist genau das, was er sein will: ein charmanter, wendiger Stadtstromer mit italienischem Stil. In seinem Revier – Stadt und Umland – spielt er seine Stärken aus, fährt effizient und lässt sich mühelos einparken. Sobald es aber auf die Autobahn oder in den Fond geht, stoßt ihr an klare Grenzen: kleine Reichweite, enger Innenraum, mäßiger Federungskomfort. Zum Listenpreis bekommt ihr für euer Geld eine stimmige, wenn auch keine überragende Gesamtleistung – wer zusätzlich über Rabatte oder ein Leasingangebot einsteigt, macht das Paket noch runder. Für alle, die vor allem in der Stadt unterwegs sind und Design über Reichweite stellen, ist der kleine Fiat eine reizvolle Wahl.

Pro

  • Top Stadttauglichkeit: winzige 3,63 m Länge, 9,7 m Wendekreis, leichtgängige Lenkung
  • Für einen Kleinstwagen effizienter Antrieb (real rund 16 kWh/100 km)
  • Ordentliche DC-Ladeleistung von bis zu 85 kW
  • Charmantes, zeitloses Design und modernes, übersichtliches Cockpit

Contra

  • Kleiner Akku: magere Autobahn- und Winterreichweite
  • Sehr enger Fond und knapper 185-Liter-Kofferraum, kein Frunk
  • Kurzer Radstand sorgt für unruhiges Abrollen
  • Hoher Listenpreis für einen Kleinstwagen

Der Fiat 500e ist die vollelektrische Neuauflage einer Ikone – 2020 als reines E-Auto gestartet und bis heute einer der stilvollsten Kleinstwagen überhaupt. Wir schauen uns hier die große Variante mit 42-kWh-Akku an, die mit 87 kW (118 PS) und Frontantrieb deutlich alltagstauglicher ist als die kleine 23,8-kWh-Basis. Für wen lohnt sich der Charmeur? Wer vor allem in der Stadt und im Umland unterwegs ist, bekommt einen wendigen, effizienten Begleiter mit italienischem Design – für lange Autobahnetappen ist er dagegen die falsche Wahl. Unterm Strich ein Auto mit klarem Zuhause und ehrlichen Grenzen.

Bildergalerie

Fiat 500e Aussenansicht
Fiat 500e Sitze
Fiat 500e Innenraum
Fiat 500e Dachansicht

Technische Daten

Marktstart 2020
Basispreis 34.990 €
Nutzbare Batterie 37,3 kWh
Realverbrauch 16,5 kWh/100 km
Verbrauch WLTP 14 kWh/100 km
Reale Reichweite 245 km
Ladeleistung (Peak) 85 kW
Ladezeit 10–80 % 23 min
Leistung 87 kW (118 PS)
0–100 km/h 9 s
Höchstgeschwindigkeit 150 km/h
Kofferraum 185 l
Frunk 0 l
Sitzplätze 4 Sitze
Anhängelast nicht zugelassen
Wendekreis 9,7 m
Maße (L×B) 3.632 × 1.683 mm
Antrieb Frontantrieb

Reichweite & Verbrauch: sparsam, aber mit kleinem Tank

Auf dem Papier gibt Fiat einen WLTP-Verbrauch von 13,0 bis 14,9 kWh/100 km an. In unabhängigen Messungen liegt der reale Wert etwas höher, aber immer noch niedrig: auto motor und sport ermittelte im gemischten Test rund 15,5 kWh/100 km, motor1 kam bei 8 bis 13 Grad auf 15,9 kWh, und im ADAC Ecotest waren es 17,1 kWh – wobei dieser Wert die Ladeverluste bereits einrechnet. Innerorts genehmigt sich der 500e nur etwa 13,6 kWh, auf der Autobahn steigt der Verbrauch auf rund 19,5 kWh.

Für den Alltag heißt das: Wer überwiegend in der Stadt pendelt, muss den Kleinen nur ein- bis zweimal pro Woche laden. Die nutzbaren 37,3 kWh reichen im gemischten Realbetrieb für etwa 240 bis 250 Kilometer, in der Stadt sind laut Tests sogar bis zu 300 Kilometer drin. Für einen Kleinstwagen ist dieser Antrieb spürbar effizienter als bei manch größerem Konkurrenten.

Die Kehrseite zeigt sich, sobald das Tempo steigt: Bei konstant 120 km/h auf der Autobahn schmelzen die Reserven auf rund 205 Kilometer, bei kühleren Temperaturen maßen Tester nur noch etwa 150 Kilometer. Im Winter und auf der Langstrecke wird die kleine Batterie also schnell zum Flaschenhals.

Laden & Reisetauglichkeit: fürs Umland ja, für die Langstrecke kaum

Am Schnelllader zieht der 500e laut Hersteller bis zu 85 kW, und im ADAC-Test wurde dieser Spitzenwert auch erreicht – von 10 auf 80 Prozent ging es dort in rund 23 Minuten. In der Praxis fällt die Leistung aber oft niedriger aus: motor1 sah an einer Ionity-Säule real nur etwa 65 kW, womit der Ladestopp eher 30 bis 35 Minuten dauert. Zu Hause lädt der Fiat mit bis zu 11 kW, ein voller Ladehub gelingt so in gut vier Stunden, an einer 7-kW-Wallbox in rund sechs.

Praktisch bedeutet das: Wer daheim oder am Arbeitsplatz laden kann, wird selten ein Problem haben. Auf Reisen sieht die Sache anders aus. Auto motor und sport rechnete für eine 800-Kilometer-Etappe eine Gesamtdauer von rund zehn Stunden – der kleine Akku zwingt zu häufigen Stopps, und die moderate Ladeleistung macht diese länger als bei reisetauglicheren Stromern.

Der ehrliche Kompromiss: Der 500e ist als Stadt- und Umlandauto konzipiert, nicht als Langstreckenwagen. Wer regelmäßig weite Strecken fährt, ist mit einem größeren E-Auto klar besser bedient.

Antrieb & Fahrdynamik: spritzig in der Stadt, kein Sportler

Der 87 kW starke Elektromotor liefert 220 Nm Drehmoment und beschleunigt den knapp 1,35 Tonnen schweren Kleinstwagen in 9,0 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Bei abgeregelten 150 km/h ist Schluss. Das klingt bescheiden, fühlt sich im Stadtverkehr aber flott an: Beim Ampelstart und beim Einfädeln ist der Fiat dank sofort anliegendem E-Drehmoment jederzeit spritzig genug.

Im Alltag punktet er mit einer leichtgängigen Lenkung, die das Rangieren zum Kinderspiel macht. Tester merken allerdings an, dass diese Lenkung bei niedrigem Tempo etwas gefühllos wirkt, und der sehr kurze Radstand von 2,32 Metern lässt das Auto auf welligem Untergrund unruhig wippen.

Für zügige Landstraßen- oder Autobahnfahrten ist der 500e damit nicht gemacht – er will kein Kurvenräuber sein. In seinem urbanen Revier reicht die Fahrdynamik aber vollkommen aus.

Komfort & Geräusch: solide in der Stadt, mit hörbaren Grenzen

Beim Federungskomfort macht sich der kurze Radstand bemerkbar: Über Querfugen und kleinere Bodenwellen reagiert das Fahrwerk laut ADAC eher unruhig, statt sie sauber wegzubügeln. In der Stadt bei gemächlichem Tempo bleibt das gut erträglich, auf schlechteren Landstraßen wird es spürbar.

Zum Geräuschkomfort auf der Autobahn liegen kaum standardisierte Messungen unabhängiger Quellen vor – klar ist aber, dass die Dämmung eines Kleinstwagens hier nicht das Niveau größerer Modelle erreicht. Bei höherem Tempo dringen Wind- und Abrollgeräusche stärker in den Innenraum.

Kurzum: Für den Einsatzzweck Stadt geht der Komfort in Ordnung, ein „fliegender Teppich“ ist der 500e aber nicht – das ist bei diesem Format aber auch nicht zu erwarten.

Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: charmant, aber eng

Mit 3,63 Metern Länge ist der 500e ein echter Winzling, und das spürt man drinnen. Der Kofferraum fasst magere 185 Liter und hat eine hohe Ladekante; sind die beiden Ladekabel darin verstaut, bleibt für den Wocheneinkauf kaum Platz. Die Rücksitze sind eher Notsitze – für Erwachsene auf längeren Strecken zu eng. Einen Frunk gibt es nicht.

Beim Material fällt das Urteil gemischt aus: Der ADAC bemängelt, dass im Innenraum überwiegend harte, günstige Kunststoffe dominieren, während andere Tester die Anmutung als hochwertiger einstufen als bei vielen Konkurrenten. Das moderne, aufgeräumte Cockpit mit den runden Formen versprüht auf jeden Fall Charme.

Die ehrliche Einordnung: Wer Platz sucht, ist hier falsch. Der 500e ist ein Zweisitzer mit Gelegenheits-Rückbank – dafür einer mit viel Stil.

Software, Bedienung & E-Funktionen: modern und übersichtlich

Im Zentrum steht ein 10,25-Zoll-Touchscreen mit (je nach Baujahr kabellosem) Apple CarPlay und Android Auto. Die Bedienung ist laut ADAC übersichtlich und weitgehend intuitiv, verlangt beim Touchdisplay aber etwas Treffsicherheit. Angenehm: Für die Fahrstufen gibt es echte Tasten statt fummeliger Menüs. Drei Fahrmodi – Normal, Range und Sherpa – erlauben von spritzig bis sparsam alles, inklusive Ein-Pedal-Fahren mit starker Rekuperation.

An Assistenzsystemen sind je nach Ausstattungslinie Notbrems-, Spurhalte- und Aufmerksamkeitsassistent sowie ein adaptiver Tempomat mit Spurführung an Bord – vieles davon allerdings optional oder den höheren Linien vorbehalten. Für den täglichen Stadtverkehr ist die Ausstattung damit solide.

Schwächen zeigen sich bei den E-spezifischen Funktionen: Eine ausgefeilte Ladeplanung oder Batterie-Vorkonditionierung fehlt, ein Frunk ebenso, und eine Wärmepumpe ist nicht durchgängig serienmäßig. Hier merkt man dem Konzept sein Alter und seinen Kleinwagen-Fokus an.

Einordnung im Ranking

Klassenübergreifend ist der Fiat 500e ein Nischenmodell mit klarem Profil: ein Design- und Stadtauto, das bewusst nicht alles können will. Seine direkten Alternativen sind der Mini Cooper SE, der Renault 5 E-Tech oder – deutlich günstiger und praktischer – der Citroën ë-C3 und der BYD Dolphin Surf. Wer mehr Reichweite, Platz oder Reisetauglichkeit braucht, findet dort die besseren Argumente; wer Stil, Wendigkeit und ein kompaktes Format sucht, beim Fiat.

Beim Preis ist der 500e fair einzuordnen: Für das, was er an Gesamtqualität bietet, ist er stimmig bepreist – weder ein Schnäppchen noch überteuert. Wer über Rabatte oder ein günstiges Leasingangebot einsteigt, verschiebt die Rechnung natürlich noch zu seinen Gunsten. Ideal ist er als stilvoller Stadt- oder Zweitwagen für alle, die kurze bis mittlere Strecken fahren und Charme über Nutzwert stellen.

Bildquellen

  • Fiat 500e Aussenansicht — © Stellantis Presse Portal
  • Fiat 500e Sitze — © Stellantis Presse Portal
  • Fiat 500e Innenraum — © Stellantis Presse Portal
  • Fiat 500e Dachansicht — © Stellantis Presse Portal

Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.

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