Porsche Taycan (Facelift 2024) im Test: Elektro-Sportwagen mit Langstrecken-Talent

EV-Supertest-Wertung

Gesamtwertung

76,7 % 4,60 / 6

Preis/Leistung

1,0 / 6

Separate Kennzahl, nicht im Ranking.

Der Porsche Taycan zeigt mit dem Facelift 2024, wie ernst Porsche die E-Mobilität nimmt: Schon die Basisversion mit Heckantrieb fährt sich wie ein echter Sportwagen, ist dabei erstaunlich effizient und dank ihrer überragenden Ladeleistung der aktuelle Maßstab für entspannte Langstrecke. Wer viel und schnell reist und Wert auf Fahrdynamik legt, findet hier eines der stimmigsten Elektroautos überhaupt. Abstriche macht ihr beim Platz – Fond und Kofferraum sind für ein fast fünf Meter langes Auto knapp – und bei der stark touchlastigen Bedienung. Und dann ist da der Preis: Schon der Einstieg liegt jenseits der 100.000 Euro, hier zahlt ihr den Namen und die Klasse deutlich mit. Ein herausragendes Auto, aber kein Schnäppchen.

Pro

  • Herausragende Ladeleistung und Langstreckentauglichkeit – rund 20 Minuten Nachladen reichen für viele hundert Kilometer
  • Für ein derart schweres, kräftiges Auto sehr effizient (19,7 kWh/100 km im ADAC Ecotest)
  • Präzise, sportliche Fahrdynamik bei zugleich ausgezeichnetem Federungskomfort (Serien-Luftfederung)
  • Hochwertige, akribische Verarbeitung

Contra

  • Hoher Preis – schon der Einstieg liegt jenseits der 100.000 Euro
  • Mäßiges Platzangebot im Fond und kleiner Kofferraum für die Fahrzeuggröße
  • Stark touchlastige Bedienung und spürbare Ladeverluste beim Schnellladen

Der Porsche Taycan war 2019 der erste vollelektrische Porsche – und die Ansage war unmissverständlich: ein E-Auto, das sich anfühlt wie ein echter Sportwagen. Mit dem umfangreichen Facelift 2024 hat Porsche genau dort nachgelegt, wo frühe Modelle Kritik einstecken mussten – bei Reichweite, Ladetempo und Effizienz. Wir schauen uns hier die Basisversion mit Heckantrieb und der großen Performancebatterie Plus an: den Einstieg in die Baureihe, der trotzdem schon reichlich Leistung und die neueste Batterietechnik mitbringt. Wie schlägt sich der elektrische Zuffenhausener im Alltag, auf der Langstrecke und mit Blick aufs Preisschild? Das klären wir jetzt.

Bildergalerie

Porsche Taycan Aussenansicht
Porsche Taycan Frontansicht
Porsche Taycan Heckansicht
Porsche Taycan Dachansicht
Porsche Taycan Innenraum
Porsche Taycan Lenkrad
Porsche Taycan Instrumente

Technische Daten

Marktstart 2024
Basispreis 108.300 €
Nutzbare Batterie 97 kWh
Realverbrauch 19,7 kWh/100 km
Verbrauch WLTP 16,7 kWh/100 km
Reale Reichweite 570 km
Ladeleistung (Peak) 296 kW
Ladezeit 10–80 % 18 min
Leistung 320 kW (435 PS)
0–100 km/h 4,8 s
Höchstgeschwindigkeit 230 km/h
Kofferraum 407 l
Frunk 84 l
Sitzplätze 4 Sitze
Anhängelast nicht zugelassen
Wendekreis 11,7 m
Maße (L×B) 4.963 × 1.966 mm
Antrieb Heckantrieb

Reichweite & Verbrauch: erstaunlich diszipliniert für so viel Auto

Unter dem Blech steckt eine Batterie mit 97 kWh nutzbarer Kapazität. Im ADAC Ecotest genügte sie für rund 570 Kilometer im gemischten Betrieb aus Stadt, Landstraße und Autobahn – bei einem Verbrauch von knapp unter 20 kWh je 100 Kilometer, und das schon inklusive der Ladeverluste. Auf der Autobahn bei zackigen 130 km/h sind es realistisch eher 450 bis 500 Kilometer, je nach Tempo und Temperatur.

Für euch im Alltag heißt das: Pendeln ohne tägliches Laden, und selbst längere Wochenendtouren sind kein Rechenexempel. Bemerkenswert ist vor allem, wie sparsam der Taycan trotz seines hohen Gewichts und der satten Leistung unterwegs ist – Werte, die so mancher deutlich kleinere Kompakt-Stromer nicht erreicht. Die serienmäßige Wärmepumpe und die sehr glatte Aerodynamik (cW-Wert 0,22) zahlen hier klar ein.

Die Kehrseite: Beim Schnellladen frisst die aufwendige Batteriekühlung laut Messungen bis zu zehn Prozent der geladenen Energie, die Ladeverluste sind also nicht ohne. Und im kühleren ADAC-Reichweitentest kletterte der Verbrauch auf 21,4 kWh – im Winter solltet ihr also etwas großzügiger kalkulieren.

Laden & Reisetauglichkeit: der Langstreckenkönig unter den Stromern

Hier spielt der Taycan seine größte Stärke aus. Dank 800-Volt-Technik zieht er an einer echten Schnellladesäule enorm viel Strom: Porsche nennt bis zu 320 kW, im ADAC-Labor wurden 296 kW gemessen – und diese hohe Leistung hält er bis fast 70 Prozent Ladestand durch. Von 10 auf 80 Prozent vergehen unter idealen Bedingungen nur rund 18 Minuten, im Schnitt fließen dabei etwa 275 kW.

Praktisch bedeutet das: Eine kurze Kaffeepause reicht, um wieder viele hundert Kilometer nachzuladen. Der ADAC bezeichnet den Taycan nicht umsonst als Langstreckenkönig – eine gut 20-minütige Nachladung trägt rechnerisch über eine Strecke von fast 1000 Kilometern. So eine stabile Ladekurve hat bisher kaum ein anderes Elektroauto gezeigt.

Der Haken ist kein Auto-, sondern ein Infrastrukturthema: Diese Bestwerte gibt es nur an leistungsstarken HPC-Ladepunkten. Zu Hause an der Wallbox lädt der Taycan mit maximal 11 kW Wechselstrom – solide, aber unspektakulär. Der eigentliche Trumpf ist und bleibt das Gleichstrom-Schnellladen.

Antrieb & Fahrdynamik: Porsche bleibt Porsche

Auch als Basismodell hat der Heckantriebs-Taycan reichlich Wumms: rund 435 PS (320 kW) im Overboost, dazu 420 Nm Drehmoment. Der Sprint auf Tempo 100 gelingt in 4,8 Sekunden – Werte, für die man früher einen ausgewachsenen Sportwagen brauchte. Ein Zweiganggetriebe an der Hinterachse sorgt dafür, dass der Schub auch bei hohem Tempo nicht abreißt.

Im Alltag heißt das: souveräne Zwischenspurts, entspanntes Mitschwimmen auf der Autobahn und jederzeit Kraft im Überfluss. Spannender als die reinen Zahlen ist aber, wie der Taycan fährt: Tester loben durchweg die präzise, nie nervöse Lenkung und die hohe Fahrstabilität trotz der beachtlichen Masse. Hier merkt man das Porsche-Fahrwerks-Know-how in jeder Kurve.

Die Kehrseite ist eher eine Frage der Perspektive: Wer die ganz irren Beschleunigungswerte sucht, muss zu den deutlich teureren Turbo-Modellen greifen. Und das hohe Gewicht lässt sich physikalisch nicht wegzaubern – der Taycan fählt sich schnell und präzise an, aber nie leichtfüßig wie ein kleiner Sportwagen.

Komfort & Geräusch: Sportwagen mit Sänften-Qualitäten

Man erwartet es bei einem Sport-Stromer vielleicht nicht, aber der Taycan kann auch sanft. Die serienmäßige Luftfederung bügelt laut Testern selbst grobe Bodenwellen und frostgeplagte Fahrbahnen erstaunlich glatt – der Federungskomfort gehört zu den Stärken des Autos. Dazu kommt eine gute Geräuschdämmung, die lange Etappen entspannt macht.

Für euch bedeutet das: Der Taycan ist kein reines Wochenend-Spielzeug, sondern taugt auch als komfortabler Reisewagen für jeden Tag. Gerade in Kombination mit der großen Reichweite und dem schnellen Laden ergibt das ein rundes Langstreckenpaket.

Die Kehrseite: In den sportlicheren Fahrmodi und auf großen Rädern wird das Fahrwerk spürbar straffer – wer maximalen Federungskomfort will, sollte bei der Ausstattung genau hinschauen. Ein weich dahingleitendes Luxus-Sofa ist der Taycan bewusst nicht.

Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: edel, aber eng

Bei der Verarbeitung gibt sich der Taycan keine Blöße: hochwertige Materialien, saubere Spaltmaße, alles akribisch zusammengesetzt – Premium, wie man es von Porsche erwartet. Beim Platz sieht die Sache anders aus. Der Kofferraum der Limousine fasst 407 Liter, vorn kommt ein 84-Liter-Frunk hinzu, der vor allem die Ladekabel schluckt. Legt ihr die Rücksitzlehne um, wächst das Ladevolumen auf gut 1.170 Liter.

Im Alltag ist der Taycan damit eher der schöne als der praktische Begleiter: Der Fond fällt nur mäßig großzügig aus, und die kleine Heckklappe schränkt das Beladen ein. Vorn sitzt es sich dagegen bestens.

Die ehrliche Einordnung: Für ein fast fünf Meter langes Oberklasse-Auto ist das Raumangebot bescheiden – hier gewinnt die flache, sportliche Silhouette gegen die Praktikabilität. Wer mehr Nutzwert für Familie und Gepäck braucht, wird beim Taycan Sport Turismo (Kombi) deutlich glücklicher.

Software, Bedienung & E-Funktionen: schneller, aber viel Touch

Das Cockpit ist durchdigitalisiert: ein gebogenes Fahrerdisplay, ein zentraler Touchscreen und auf Wunsch sogar ein eigener Bildschirm für den Beifahrer. Mit dem Facelift reagiert die Software deutlich flotter als zuvor, und die Ladeplanung wurde spürbar verbessert – sie führt euch auf der Langstrecke zuverlässig zur passenden Säule und konditioniert die Batterie vor.

Bei den E-Funktionen ist der Taycan gut aufgestellt: Wärmepumpe serienmäßig, Batterie-Vorkonditionierung, Frunk und ein umfangreiches Assistenzpaket sind an Bord; das vorausschauende Porsche InnoDrive gibt es gegen Aufpreis. Im Alltag nimmt gerade die gute Ladeplanung viel Reisestress.

Die Kehrseite: Viele Funktionen laufen über Touch statt über echte Tasten – das sieht aufgeräumt aus, lenkt während der Fahrt aber stärker ab als ein klassischer Dreh-Druck-Knopf. Hier ist der Taycan eher Zeitgeist als Bedien-Vorbild.

Einordnung im Ranking: für wen sich der Taycan lohnt

In der Oberklasse trifft der Taycan auf den technisch eng verwandten Audi e-tron GT sowie auf komfortbetonte Rivalen wie Mercedes EQE und EQS, BMW i5 und i7 oder die reichweitenstarken Lucid Air und das Tesla Model S. Wo viele davon auf Ruhe und Raum setzen, ist der Taycan der Dynamiker im Feld: Er verbindet Sportwagen-Handling mit einer Reise- und Ladetauglichkeit, die aktuell zum Besten gehört, was elektrisch fährt.

Ideal ist er für euch, wenn ihr viel und zügig reist, Fahrdynamik liebt und auf ein XXL-Platzangebot verzichten könnt. Nur beim Preis wird es unromantisch: Schon der Einstieg liegt jenseits der 100.000 Euro, hier zahlt ihr den Namen und die Klasse deutlich mit. Ein herausragendes Auto – aber ganz sicher kein Schnäppchen.

Bildquellen

  • Porsche Taycan Aussenansicht — © Porsche Pressroom
  • Porsche Taycan Frontansicht — © Porsche Pressroom
  • Porsche Taycan Heckansicht — © Porsche Pressroom
  • Porsche Taycan Dachansicht — © Porsche Pressroom
  • Porsche Taycan Innenraum — © Porsche Pressroom
  • Porsche Taycan Lenkrad — © Porsche Pressroom
  • Porsche Taycan Instrumente — © Porsche Pressroom

Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.

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