Hyundai Ioniq 5 (84 kWh, Heckantrieb) im Test: der 800-Volt-Lademeister

EV-Supertest-Wertung

Gesamtwertung

67,5 % 4,05 / 6

Preis/Leistung

3,0 / 6

Separate Kennzahl, nicht im Ranking.

Der Hyundai Ioniq 5 mit 84-kWh-Akku und Heckantrieb macht fast alles richtig: Er lädt dank 800-Volt-Technik in Rekordzeit, bietet ein großzügiges, variables Raumwunder und kommt real rund 500 Kilometer weit. Der Antrieb ist souverän, der Komfort auf der Langstrecke stark, und das Facelift hat die Bedienung spürbar verbessert. Abstriche gibt es beim Autobahnverbrauch, beim großen Format in der Stadt und bei der reinen Effizienz. Unterm Strich bleibt ein reifer, fair bepreister Allrounder, der besonders auf der Langstrecke glänzt.

Pro

  • Ultraschnelles 800-Volt-Laden: 10–80 % in rund 18 Minuten
  • Großzügige, variable Fahrgastzelle mit riesiger Beinfreiheit im Fond
  • Gute reale Reichweite von rund 500 km im ADAC-Mix
  • Umfangreiche Serienausstattung inklusive V2L, Wärmepumpe und starker Assistenz

Contra

  • Auf der Autobahn schmilzt die Reichweite spürbar
  • Großes Format und Wendekreis machen ihn in der Stadt sperrig
  • Kein Effizienzwunder trotz reiner E-Plattform

Der Hyundai Ioniq 5 war 2021 eine echte Ansage: ein kantiger Crossover mit Retro-Charme, der als einer der ersten in der Mittelklasse auf die 800-Volt-Technik setzte und damit das Schnellladen neu definierte. Mit dem Facelift ab Sommer 2024 hat Hyundai nachgelegt — größerer Akku, ein sparsamerer Antrieb und eine feinere Bedienung. Wir schauen uns hier die Version mit 84-kWh-Batterie und Heckantrieb an, also den effizienten Langstrecken-Stromer der Baureihe. Für wen lohnt er sich — und wo bleibt er hinter dem eigenen Anspruch zurück?

Bildergalerie

Hyundai Ioniq 5 Aussenansicht
Hyundai Ioniq 5 Heckansicht
Hyundai Ioniq 5 Seitenansicht
Hyundai Ioniq 5 Innenraum
Hyundai Ioniq 5 Sitze

Technische Daten

Marktstart 2021
Basispreis 52.900 €
Nutzbare Batterie 78 kWh
Realverbrauch 18,7 kWh/100 km
Verbrauch WLTP 16,6 kWh/100 km
Reale Reichweite 500 km
Ladeleistung (Peak) 255,3 kW
Ladezeit 10–80 % 18 min
Leistung 168 kW (228 PS)
0–100 km/h 7,4 s
Höchstgeschwindigkeit 185 km/h
Kofferraum 527 l
Frunk 57 l
Sitzplätze 5 Sitze
Anhängelast 1.600 kg
Wendekreis 12 m
Maße (L×B) 4.655 × 1.890 mm
Antrieb Heckantrieb

Reichweite & Verbrauch: solide statt sensationell

Im ADAC Ecotest zieht sich der Ioniq 5 mit großem Akku und Heckantrieb 18,7 kWh auf 100 Kilometer aus der Steckdose — und dieser Wert schließt die Ladeverluste bereits mit ein. Aus der rund 84 kWh großen Batterie (netto etwa 78 kWh) ergibt das im gemischten Zyklus eine reale Reichweite von etwa 500 Kilometern. Aufgeschlüsselt heißt das: innerorts genügen 13,6 kWh, überland sind es 20,4 kWh, und auf der Autobahn steigt der Verbrauch auf 21,6 kWh.

Für den Alltag ist das eine beruhigende Basis. Wer pendelt oder Familienstrecken fährt, lädt realistisch nur ein- bis zweimal pro Woche. Auf der Langstrecke im Winter oder bei hohem Tempo schmilzt die Reichweite allerdings spürbar — bei zügiger Autobahnfahrt bleiben eher rund 300 bis 330 Kilometer. Gemessen an einem über zwei Tonnen schweren, 4,66 Meter langen Crossover ist der Verbrauch dennoch respektabel und bewegt sich auf dem Niveau von VW ID.4 oder Škoda Enyaq. Ein echtes Effizienzwunder wie der windschlüpfige Konzernbruder Ioniq 6 ist der kantige Fünfer aber nicht — seine Stirnfläche fordert ihren Tribut.

Laden & Reisetauglichkeit: hier spielt er seine Trumpfkarte

Das 800-Volt-System ist die Paradedisziplin. Der ADAC maß einen Ladepeak von 255,3 kW, und selbst im Schnitt liegen beim DC-Laden von 10 auf 80 Prozent über 200 kW an. Praktisch bedeutet das: In rund 18 Minuten ist der Akku wieder von 10 auf 80 Prozent gefüllt. So schnell laden sonst nur wenige und meist deutlich teurere Autos. Dazu kommt die Vehicle-to-Load-Funktion, mit der ihr aus dem Akku ganz normale Geräte mit Strom versorgen könnt — vom Kaffeekocher bis zum E-Bike.

Auf der Langstrecke gleicht das Tempo an der Säule die nur mittelgroße Reichweite clever aus: Ein kurzer Stopp reicht, und es geht zügig weiter. Die Kehrseite bleibt trotzdem: Ganz ohne Ladepausen kommt ihr auf sehr langen Etappen nicht aus, und sein volles Tempo spielt der Hyundai nur an echten 350-kW-Schnellladern aus. An einer 50-kW-Säule dauert es dagegen über eine Stunde — das 800-Volt-Talent verpufft dort.

Antrieb & Fahrdynamik: souverän, aber kein Sportler

Der Elektromotor an der Hinterachse leistet 168 kW (229 PS) und schiebt mit 350 Nm an. Der Sprint auf 100 km/h gelingt in rund 7,4 Sekunden, bei 185 km/h ist Schluss. Das reicht in jeder Alltagssituation locker: Vom Stand weg zieht der Ioniq 5 gleichmäßig und ohne Rucken los, und die gut abgestimmte Rekuperation macht das Bremspedal fast überflüssig — auf Wunsch bis zum Stillstand per One-Pedal-Driving.

Der drei Meter lange Radstand sorgt für eine stabile, erwachsene Straßenlage. Ein Kurvenräuber ist der Hecktriebler aber nicht: Das hohe Gewicht und die großen Räder lassen ihn eher gelassen als agil wirken. Wer echten Fahrspaß sucht, ist bei der Sportversion Ioniq 5 N besser aufgehoben — der normale Fünfer will souverän gleiten, nicht jagen.

Komfort & Geräusch: entspannter Gleiter

Beim Komfort spielt der lange Radstand erneut seine Stärke aus. Das Fahrwerk rollt ausgewogen ab, die Dämmung hält Wind- und Abrollgeräusche gut draußen, und der Elektromotor bleibt im Innenraum praktisch unhörbar. Die Fachpresse lobt den Reisekomfort ausdrücklich; auch mehrstündige Etappen gehen entspannt von der Hand.

Eine Luftfederung gibt es nicht — auf den optionalen 20-Zoll-Rädern fällt das Abrollen über kurze Kanten etwas straffer aus. Insgesamt bleibt der Ioniq 5 aber ein angenehmer, unaufgeregter Reisebegleiter, der seinen Insassen viel Ruhe gönnt.

Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: das Raumwunder

Innen zahlt sich die reine E-Plattform aus. Der flache Boden und der lange Radstand schaffen eine Beinfreiheit im Fond, die selbst sehr große Passagiere überrascht. Die verschiebbare Rücksitzbank macht den Innenraum zusätzlich variabel. Der Kofferraum fasst 527 Liter und wächst mit umgelegten Lehnen auf 1.587 Liter; vorn nimmt der Frunk beim Heckantrieb weitere 57 Liter auf — ideal fürs Ladekabel.

Die Anmutung ist wertig und angenehm technisch, das helle Ambiente wirkt luftig. Kritikpunkte bleiben aber: Im unteren Cockpitbereich finden sich vereinzelt harte Kunststoffe, und die dicke C-Säule schränkt die Sicht nach schräg hinten ein. Beim reinen Kofferraumvolumen ziehen zudem manche Konkurrenten wie der Škoda Enyaq vorbei — die Nutzbarkeit des Ioniq 5 ist trotzdem hervorragend.

Software, Bedienung & E-Funktionen: rundes Paket mit Feinschliff

Zwei nebeneinander liegende 12,3-Zoll-Displays bilden das Cockpit, die Bedienung reagiert flott und logisch, Updates kommen über die Luft (OTA), und Apple CarPlay sowie Android Auto sind kabellos an Bord. Mit dem Facelift hat Hyundai genau an der richtigen Stelle nachgeschärft: mehr physische Tasten, ein neues Lenkrad und ein praktischer Home-Button erleichtern den Alltag deutlich.

Auf der E-Seite ist das Paket rund: 800-Volt-Schnellladen, Vehicle-to-Load, Wärmepumpe und die — jetzt auch manuell auslösbare — Batterie-Vorkonditionierung sorgen dafür, dass der Akku am Schnelllader seine Bestform erreicht. Dazu kommt eine umfangreiche Serien-Assistenz mit adaptivem Tempomat, Spurhalte- und Autobahnassistent. Perfekt ist nicht alles: Manche Fahrer bemängeln, dass sich Einstellungen wie die Fernlichtautomatik bei jedem Start neu aktivieren lassen. Das sind aber Kleinigkeiten in einem stimmigen Gesamtbild.

Einordnung im Ranking

Der Hyundai Ioniq 5 mit großer Batterie und Heckantrieb ist ein bemerkenswert rundes Gesamtpaket: ein echter Lademeister mit großzügigem, variablem Innenraum und guter Alltagsreichweite, dem es nur an echter Effizienz und städtischer Handlichkeit ein wenig fehlt. Seine natürlichen Gegenspieler sind der VW ID.4 Pro, der Škoda Enyaq 85, das Tesla Model Y und der eng verwandte Kia EV6 — gegen dieses Feld punktet er vor allem beim Laden und beim Platzgefühl. Beim Preis/Leistungs-Verhältnis, das wir getrennt vom Gesamturteil ausweisen, liegt er fair im Rahmen: Man zahlt ungefähr das, was das gebotene Paket wert ist.

Ideal ist der Ioniq 5 für Familien und Vielfahrer, die viel Platz, entspannten Reisekomfort und kurze Ladestopps schätzen — und die mit dem großen Format in der Stadt leben können. Wer hauptsächlich eng parkt oder maximale Effizienz sucht, sollte die Alternativen gegenprüfen.

Bildquellen

  • Hyundai Ioniq 5 Aussenansicht — © Hyundai Presseportal
  • Hyundai Ioniq 5 Heckansicht — © Hyundai Presseportal
  • Hyundai Ioniq 5 Seitenansicht — © Hyundai Presseportal
  • Hyundai Ioniq 5 Innenraum — © Hyundai Presseportal
  • Hyundai Ioniq 5 Sitze — © Hyundai Presseportal

Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.

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