Hyundai Ioniq 6 (77,4 kWh, Heckantrieb) im Test: der Effizienz-Champion

EV-Supertest-Wertung

Gesamtwertung

66,7 % 4,00 / 6

Preis/Leistung

3,0 / 6

Separate Kennzahl, nicht im Ranking.

Der Hyundai Ioniq 6 mit großer Batterie und Heckantrieb ist ein famoser Langstrecken-Gleiter: So sparsam wie kein anderes vom ADAC gemessenes E-Auto, dazu blitzschnelles 800-Volt-Laden und eine große Reichweite. Wer viel und weit fährt, bekommt hier eine der effizientesten Limousinen überhaupt. Den stimmigen Gesamteindruck trüben nur die teils billige Materialauswahl, das durch die schöne Dachlinie eingeschränkte Raumgefühl im Fond und kleine Lücken im Technikpaket. Unterm Strich eine klare Empfehlung für alle, denen Effizienz und Reisetempo wichtiger sind als Kofferraum-Rekorde.

Pro

  • Rekordverdächtig sparsam: nur 15,5 kWh/100 km im ADAC Ecotest
  • Blitzschnelles 800-Volt-Laden, 10–80 % in rund 18 Minuten
  • Große Reichweite und riesige Beinfreiheit im Fond
  • V2L serienmäßig, hohes Sicherheitsniveau (Euro NCAP 5 Sterne)

Contra

  • Materialauswahl wirkt teils billig fürs Preisniveau
  • Coupé-Dachlinie kostet Kopffreiheit und Sicht nach hinten; Kofferraum knapp
  • Wärmepumpe im Basis-Trim nur gegen Aufpreis, keine Batterie-Vorkonditionierung

Mit dem Ioniq 6 hat Hyundai 2022 eine Elektro-Limousine auf die Räder gestellt, die sich vor allem einer Sache verschrieben hat: Effizienz. Die stromlinienförmige Karosserie mit einem cw-Wert von nur 0,21 macht den Streamliner zum sparsamsten E-Auto, das der ADAC je gemessen hat. Wir schauen uns hier die große 77,4-kWh-Batterie mit Heckantrieb und 168 kW an – die reichweitenstärkste Version der ersten Generation. Für wen lohnt sich der schicke Koreaner, und wo muss er Federn lassen? Das Gesamtergebnis fällt stark aus, ganz ohne Schwächen kommt aber auch dieser Effizienzmeister nicht davon.

Bildergalerie

Hyundai Ioniq 6 Aussenansicht
Hyundai Ioniq 6 Heckansicht
Hyundai Ioniq 6 Seitenansicht
Hyundai Ioniq 6 Innenraum
Hyundai Ioniq 6 Infotainment
Hyundai Ioniq 6 Sitze

Technische Daten

Marktstart 2022
Basispreis 54.000 €
Nutzbare Batterie 74 kWh
Realverbrauch 15,5 kWh/100 km
Verbrauch WLTP 14,3 kWh/100 km
Reale Reichweite 555 km
Ladeleistung (Peak) 236 kW
Ladezeit 10–80 % 18 min
Leistung 168 kW (228 PS)
0–100 km/h 7,4 s
Höchstgeschwindigkeit 185 km/h
Kofferraum 401 l
Frunk 45 l
Sitzplätze 5 Sitze
Anhängelast 1.500 kg
Wendekreis 11,8 m
Maße (L×B) 4.855 × 1.880 mm
Antrieb Heckantrieb

Reichweite & Verbrauch: hier spielt der Ioniq 6 seine Trumpfkarte

Die Effizienz ist das große Thema dieses Autos – und sie ist kein Marketing-Versprechen. Im ADAC Ecotest genehmigte sich der Ioniq 6 nur 15,5 kWh auf 100 Kilometer, und zwar bereits inklusive der Verluste beim Laden. Damit war er zum Testzeitpunkt schlicht das sparsamste Elektroauto, das der Club je auf den Prüfstand geholt hatte. Möglich macht das die extreme Aerodynamik, die vor allem bei höherem Tempo Energie spart.

Aus der nutzbaren Batterie von 74 kWh errechnet der ADAC eine Reichweite von rund 555 Kilometern. Für euch im Alltag heißt das: Wer pendelt, kommt gut und gerne eine Woche ohne Steckdose aus, und selbst größere Wochenendtouren sind ohne Ladeplanung machbar. Das ist ein Niveau, das in der Mittelklasse längst nicht selbstverständlich ist.

Die ehrliche Kehrseite: Die Traumwerte gelten fürs Wohlfühltempo. Zieht ihr auf der Autobahn konstant 120 km/h, klettert der Verbrauch auf etwa 19 kWh, und real bleiben dann eher 370 bis 390 Kilometer bis zum Stopp. Das ist immer noch ordentlich – nur eben nicht mehr rekordverdächtig.

Laden & Reisetauglichkeit: 800 Volt sind das Ass im Ärmel

Der Ioniq 6 nutzt die 800-Volt-Technik der E-GMP-Plattform, und das merkt man an der Säule sofort. In der Spitze zog der Wagen im ADAC-Test bis zu 236 kW, und der Sprung von 10 auf 80 Prozent gelingt in rund 18 Minuten. Der ADAC lud in etwa 20 Minuten Strom für mehr als 400 Kilometer nach – Werte, von denen viele 400-Volt-Konkurrenten nur träumen.

Für die Langstrecke ist das Gold wert: Wer eine lange Fahrt plant, verbringt kaum spürbar Zeit an der Ladestation. In einem 1000-Kilometer-Test kam der Heckantrieb mit zwei kurzen Stopps und gut 47 Minuten Gesamtladezeit aus. Reichweite und Ladetempo greifen also sauber ineinander.

Der Wermutstropfen betrifft genau diese erste Generation: Eine nutzergesteuerte Vorkonditionierung der Batterie fehlt, was im Winter das Ladetempo drücken kann. Und weil die reale Autobahn-Reichweite nur mittelprächtig ist, folgen die Stopps auf sehr langen Etappen etwas dichter aufeinander, als es die Ladeleistung vermuten ließe.

Antrieb & Fahrdynamik: souverän, aber kein Sportler

168 kW und 350 Nm schieben die Limousine in 7,4 Sekunden auf 100 km/h, bei 185 km/h ist Schluss. Das reicht für kräftige Zwischenspurts und entspanntes Mitschwimmen, wirkt aber im Vergleich zu manchem E-Auto-Konkurrenten eher gelassen als spritzig. Der einzelne Motor an der Hinterachse liefert seine Kraft gewohnt lautlos und ruckfrei ab.

Beim Fahrverhalten setzt Hyundai klar auf Ausgewogenheit statt Nervosität. Tester bescheinigen dem Ioniq 6 stabile Fahreigenschaften und eine gut abgestimmte Lenkung; er fährt sicher und berechenbar, fordert aber nicht zum Kurvenräubern auf. Wer ein komfortabel ausgelegtes Reiseauto sucht, ist genau richtig – wer einen agilen Handlingkünstler will, schaut woanders. Eine echte Sportvariante steht separat noch aus.

Komfort & Geräusch: leise, aber nicht samtweich

Beim Geräuschkomfort punktet der Streamliner: Die windschlüpfige Form hält Windgeräusche draußen, und im Innenraum bleibt es auch bei höherem Tempo angenehm ruhig. Das passt gut zum Anspruch als Langstrecken-Limousine und macht lange Fahrten entspannt.

Das Fahrwerk kommt allerdings mit Stahlfedern und fester Dämpferabstimmung – eine Luftfederung gibt es nicht. In Tests fällt die Federung etwas straff aus: Kurze Stoßfugen und Querrillen kommen spürbarer durch, als es der ruhige Grundcharakter erwarten ließe. Der Komfort ist solide und alltagstauglich, aber kein Teppich-Gleiten der Oberklasse.

Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: viel Platz mit Haken

Der lange Radstand von 2,95 Metern sorgt für eine riesige Beinfreiheit im Fond – hier sitzt man fürstlich. Der Kofferraum fasst allerdings nur 401 Liter, was für die Mittelklasse eher knapp ist, und die kleine Stufenheck-Klappe erschwert das Beladen sperriger Dinge. Immerhin gibt es vorn einen 45-Liter-Frunk für die Ladekabel.

Der größte Kompromiss ist die coupéhafte Dachlinie: So schön sie aussieht, so sehr kostet sie große Passagiere hinten Kopffreiheit, und die Sicht nach schräg hinten ist eingeschränkt. Für Familien mit Kindersitzen und viel Gepäck ist ein SUV wie der Schwester-Ioniq-5 praktischer.

Bei der Verarbeitung ist der Eindruck zwiespältig. Die Spaltmaße stimmen, die Bedieninsel wirkt aufgeräumt – doch mehrfach kritisieren Tester die teils billig wirkende Materialauswahl, die nicht recht zum gehobenen Preis passen will.

Software, Bedienung & E-Funktionen: durchdacht mit einer Lücke

Vor euch liegen zwei 12,3-Zoll-Displays in einem gemeinsamen Rahmen. Gelobt wird vor allem, dass Hyundai wichtige Funktionen – etwa die Klimasteuerung – über echte Tasten bedienbar lässt, statt alles in Menüs zu vergraben. Das Infotainment gilt als übersichtlich und schnell, auch wenn einzelne Untermenüs verschachtelt geraten.

Bei den E-Funktionen sammelt der Ioniq 6 Pluspunkte: Die V2L-Funktion, mit der ihr über eine Steckdose externe Geräte mit Strom versorgt, ist serienmäßig, dazu kommt die schnelle 800-Volt-Ladetechnik. Die Assistenzsysteme sind umfangreich, wobei Extras wie Matrix-LED-Scheinwerfer oder Head-up-Display in höheren Paketen stecken (optional).

Zwei ehrliche Einschränkungen bleiben für die Serienausstattung des Basis-Trims: Die effizienzsteigernde Wärmepumpe kostet dort Aufpreis, und eine nutzergesteuerte Batterie-Vorkonditionierung fürs Laden fehlt der ersten Generation – eine kleine, aber echte Lücke im sonst starken Technikpaket.

Einordnung im Ranking: wo steht der Effizienz-Champion?

Der Ioniq 6 ist ein Auto mit klarem Profil: Er verknüpft Rekord-Effizienz und blitzschnelles Laden mit einer großen Reichweite – und leistet sich dafür Schwächen bei Materialanmutung, Kopffreiheit und Praxis-Nutzwert. Gegen direkte Rivalen wie BMW i4, Tesla Model 3 oder Polestar 2 spielt er seine Ladetechnik und den niedrigen Verbrauch als stärkste Argumente aus.

Preislich ist der Koreaner fair bepreist: Für das gebotene Technikpaket bekommt ihr ein stimmiges Preis/Leistungs-Verhältnis, ohne Schnäppchen und ohne Aufschlag für den Namen. Ideal ist er für Vielfahrer und Effizienz-Fans, die viel Langstrecke fahren und mit einem Stufenheck statt großer Klappe leben können. Wer maximalen Familien-Nutzwert sucht, sollte den höheren, praktischeren Ioniq 5 gegenchecken.

Bildquellen

  • Titelbild außerhalb der Galerie — © Hyundai
  • Hyundai Ioniq 6 Aussenansicht — © Hyundai Presseportal
  • Hyundai Ioniq 6 Heckansicht — © Hyundai Presseportal
  • Hyundai Ioniq 6 Seitenansicht — © Hyundai Presseportal
  • Hyundai Ioniq 6 Innenraum — © Hyundai Presseportal
  • Hyundai Ioniq 6 Infotainment — © Hyundai Presseportal
  • Hyundai Ioniq 6 Sitze — © Hyundai Presseportal© Hyundai Presseportal

Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.

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