Peugeot e-308 SW im Test: Der seltene Elektro-Kombi der Kompaktklasse

EV-Supertest-Wertung

Gesamtwertung

61,7 % 3,70 / 6

Preis/Leistung

3,5 / 6

Separate Kennzahl, nicht im Ranking.

Der Peugeot e-308 SW ist ein ehrliches Angebot an alle, die keinen SUV wollen: effizienter Antrieb, großer Kofferraum, sauber verarbeiteter Innenraum und ein Fahrwerk, das sicher und handlich abgestimmt ist. Dass Wärmepumpe, 11-kW-Lader und die Ladeplanung schon ab der Basislinie an Bord sind, rechnet ihm hoch an. Gebremst wird er von der 400-Volt-Technik: 100 kW Ladeleistung sind heute nur noch Durchschnitt, und auf der Autobahn schmilzt die Reichweite deutlich schneller als die Werksangabe vermuten lässt. Dazu kommen ein zähes Infotainment, ein knapper Fond und die fehlende Anhängerfreigabe. Wer hauptsächlich pendelt und zu Hause lädt, bekommt hier trotzdem einen der vernünftigsten Elektro-Kombis am Markt.

Pro

  • Sehr effizienter Antrieb mit Wärmepumpe serienmäßig
  • 548 Liter Kofferraum, bis 1.483 Liter bei umgeklappter Lehne
  • Hochwertig verarbeiteter Innenraum mit weichen Oberflächen
  • Sehr leise bei Autobahntempo (64,5 dB(A) bei 130 km/h)
  • Ladeplanung, Plug and Charge und V2L ohne Aufpreis

Contra

  • Nur 100 kW Ladeleistung, 400-Volt-Architektur
  • Kein Anhängerbetrieb zugelassen
  • Verschachteltes und träges Infotainment
  • Federungskomfort auf 18-Zöllern kurzstossig
  • Basislinie ohne Rückfahrkamera, Sitzheizung und Navigation

Elektrische Kombis lassen sich in der Kompaktklasse noch immer an einer Hand abzählen. Der Peugeot e-308 SW ist einer davon — und seit dem Facelift im Herbst 2025 mit größerem Akku unterwegs. 55,4 nutzbare Kilowattstunden, 115 kW an der Vorderachse und ein Kofferraum, der ein Familienwochenende locker schluckt: Das klingt nach dem vernünftigen Gegenentwurf zum SUV-Einerlei. Wir haben für euch zusammengetragen, was unabhängige Messungen und Fahrtests über den Franzosen hergeben — und wo er sich Schwächen leistet.

Bildergalerie

Peugeot E-308 SW Aussenansicht
Peugeot E-308 SW Heckansicht
Peugeot E-308 SW Innenraum
Peugeot E-308 SW Infotainment
Peugeot E-308 SW Kofferraum

Technische Daten

Marktstart 2026
Basispreis 43.435 €
Nutzbare Batterie 55,4 kWh
Realverbrauch 15,8 kWh/100 km
Verbrauch WLTP 15,1 kWh/100 km
Reale Reichweite 386 km
Ladeleistung (Peak) 100 kW
Ladezeit 10–80 % 33 min
0–100 km/h 10 s
Höchstgeschwindigkeit 170 km/h
Kofferraum 548 l
Frunk 0 l
Sitzplätze 5 Sitze
Anhängelast nicht zugelassen
Wendekreis 10,7 m
Maße (L×B) 4.636 × 1.852 mm
Antrieb Frontantrieb

Reichweite und Verbrauch: sparsam, solange das Tempo stimmt

Der Antriebsstrang des e-308 gehört zu den effizientesten, die der Konzern derzeit anbietet. Im standardisierten Realtest des ADAC belegte die Schrägheck-Version des e-308 im Jahrgang 2024 den zweiten Platz unter 84 geprüften Fahrzeugen — mit 16,3 kWh pro 100 Kilometer inklusive der Verluste beim Laden. Einen eigenen Ecotest des Kombis gibt es bislang nicht. Wir haben den gemessenen Wert deshalb offen über die Normverbräuche auf die aktuelle SW-Variante umgerechnet und weisen ihn als abgeleiteten Wert aus. Herausgekommen sind rund 15,8 kWh je 100 Kilometer im gemischten Betrieb aus Stadt, Landstraße und Autobahn — und daraus etwa 386 Kilometer Reichweite.

Für den Alltag heißt das: Wer pendelt und zu Hause lädt, wird die Ladeplanung selten bemühen müssen. Redaktionelle Fahrtests stützen das Bild. Auf ruhigen Überlandrunden meldeten Tester im Sommer Bordcomputerwerte um 12,5 kWh, auf einer Presserunde mit hohem Landstraßenanteil sogar 13,9 kWh — beides allerdings ohne Ladeverluste gerechnet und ohne Autobahnanteil.

Die Kehrseite zeigt sich, sobald es schnell wird. Bei 120 km/h notierten Tester 17 bis 18 kWh, unter Volllast auch über 20. Effizienz-Datenbanken modellieren für Autobahnfahrt im Winter nur noch rund 240 Kilometer. Der Werksangabe von 444 Kilometern nach WLTP sollte man also nicht zu viel Glauben schenken: Sie ist im Sommer bei gemächlicher Fahrt erreichbar, im Januar auf der linken Spur eben nicht.

Laden und Reisetauglichkeit: hier bremst die 400-Volt-Technik

Am Schnelllader nimmt der e-308 SW maximal 100 kW auf. Peugeot nennt 32 Minuten für den Sprung von 20 auf 80 Prozent, für den üblicheren Hub von 10 auf 80 Prozent sind rund 33 Minuten realistisch. Beim technisch verwandten Vorgänger maßen Tester eine mittlere Ladeleistung von 82 kW und kurzzeitig Spitzen über 100 kW — die Werksangabe ist also erreichbar, aber eben nicht üppig. Wechselstrom geht dreiphasig mit 11 kW, an der Wallbox dauert eine Vollladung damit gut sechs Stunden.

Im Reisealltag bedeutet das: Auf 800 Kilometern kommt ihr um zwei Ladestopps kaum herum, und jeder davon dauert eine halbe Stunde. Konkurrenten mit 800-Volt-Architektur sind an derselben Säule in der Hälfte der Zeit fertig. Immerhin hat Peugeot mit dem Facelift den größten Kritikpunkt des Vorgängers abgeräumt: Die Ladeplanung war früher nur über eine kostenpflichtige App zu haben, jetzt liegt sie zehn Jahre lang im Fahrzeugpreis — und zwar auch dann, wenn gar kein Navigationssystem an Bord ist.

Ein handfester Nachteil bleibt: Der e-308 SW ist nicht für den Anhängerbetrieb zugelassen. Wer regelmäßig einen Pferde- oder Bootsanhänger zieht, ist hier schlicht falsch — und das ausgerechnet bei einem Kombi, der sonst als Lastesel taugt. Immerhin sind 80 Kilogramm Dachlast erlaubt.

Antrieb und Fahrdynamik: leichtfüßig statt spektakulär

115 kW und 270 Newtonmeter klingen ordentlich, müssen aber knapp 1,8 Tonnen bewegen. Zehn Sekunden auf 100 km/h stehen im Datenblatt, Schluss ist bei abgeregelten 170 km/h. Tester beschreiben den Antritt als sanft und zügig, aber ausdrücklich nicht als spektakulär. Für den Zwischenspurt aus dem Kreisverkehr oder beim Auffahren auf die Autobahn reicht das problemlos — wer den elektrischen Schlag in den Rücken sucht, findet ihn woanders. Rekuperiert wird in drei Stufen über Schaltwippen am Lenkrad; ein echtes Ein-Pedal-Fahren bis zum Stillstand bietet der Peugeot nicht.

Das Fahrwerk ist der schönere Teil der Geschichte. Prüfer bescheinigen dem 308 einen sicheren, gut abgestimmten Aufbau, souveränes Verhalten beim Ausweichmanöver und ein handliches, fahrfreudiges Wesen — der tiefe Schwerpunkt der Bodenbatterie hilft dabei. Beim Lenkgefühl gehen die Urteile allerdings auseinander: Während Prüfer am Vorgänger die präzise, harmonisch ansteigende Lenkung lobten, empfanden Tester sie am Facelift als zu leichtgängig und rückmeldungsarm, fast nervös. Beides dürfte auch am kleinen Lenkrad des i-Cockpits liegen, das ohnehin Geschmackssache ist.

Komfort und Geräusch: leise ja, sanft nur bedingt

Beim Geräuschkomfort liefert der Peugeot einen der besten Werte seiner Klasse ab: 64,5 dB(A) bei 130 km/h maßen Prüfer im Innenraum — ein Wert, bei dem sich Gespräche über die ganze Länge des Autos ohne erhobene Stimme führen lassen. Auch Fahrtester heben die gute Dämmung auf der Autobahn hervor. Vom Antrieb selbst ist kaum mehr als ein dezentes Surren zu hören.

Beim Federungskomfort wird es dagegen zäh. Längere Wellen und gröbere Unebenheiten schluckt das Fahrwerk souverän, kurze Stöße wie Kanaldeckel oder Asphaltflicken reicht es dagegen spürbar durch. Prüfer nennen das Ansprechverhalten unwillig und sehen den 308 hier ausdrücklich nicht an der Spitze der Kompaktklasse. Die serienmäßigen 18-Zöller machen es nicht besser — Tester beschreiben das Abrollen als steif und kantig. Adaptive Dämpfer bietet Peugeot für die Elektroversion gar nicht erst an, hier gibt es also nichts nachzurüsten.

Innenraum, Raumangebot und Verarbeitung: der Kofferraum überzeugt, der Fond weniger

548 Liter unter der Abdeckung und bis zu 1.483 Liter bei umgeklappter Lehne machen den SW zum nützlichsten Mitglied der Baureihe. Für Kinderwagen, Wocheneinkauf und Urlaubsgepäck eines Fünfsitzers reicht das mit großem Abstand. Einen Frunk unter der Fronthaube gibt es nicht — das Ladekabel muss unter den Kofferraumboden, wo es reichlich knapp sitzt.

Bei der Verarbeitung fällt das Urteil quellenübergreifend gut aus. Prüfer loben gleichmäßige Spaltmaße, unterschäumte Oberflächen am Armaturenbrett, stoffbezogene Dachsäulen und ein beflocktes Handschuhfach — in dieser Klasse selten geworden. Fahrtester beschreiben den Innenraum als wohnlich und geschmackvoll, mit gut kaschiertem Hartplastik.

Die Kehrseite sitzt hinten. Tester kritisieren, dass Knie- und Kopfraum für große Passagiere knapp bemessen sind und die flach montierte Rückbank eine zu kurze Sitzfläche hat. Bis etwa 1,90 Meter Körpergröße geht es, darüber wird es eng. Wichtig für die Kalkulation: Unser Preis bezieht sich auf die günstigste Linie Style. Die kommt zwar mit Wärmepumpe, Zwei-Zonen-Klimaautomatik und 18-Zoll-Alurädern, verzichtet aber auf Rückfahrkamera, Sitzheizung, Navigationssystem und Totwinkelassistent. Die meisten Fahrtests entstehen an deutlich teureren Ausstattungen.

Software, Bedienung und E-Funktionen: gute Technik, hakelige Menüs

Auf der Elektro-Seite ist die Ausstattung erfreulich vollständig, und zwar schon ab Basis: Wärmepumpe, dreiphasiger 11-kW-Lader, Batterievorkonditionierung, Plug and Charge sowie Vehicle-to-Load mit bis zu 3,5 kW sind serienmäßig. Mit dem Adapter aus dem Zubehör lässt sich damit ein E-Bike oder eine Campingküche betreiben — praktisch und in der Klasse noch nicht selbstverständlich.

Beim Infotainment bleibt es dagegen beim alten Problem. Der Zehn-Zoll-Touchscreen zeigt nach dem Facelift zwar frischere Grafiken, Tester nennen die Menüs aber weiterhin verschachtelt, Schrift und Symbole kleinteilig und die Reaktion des Bildschirms verzögert. Prüfer bemängelten schon am Vorgänger, dass banale Funktionen wie die Sitzheizung mehrere Bedienschritte kosten. Entlastung bringen die frei belegbaren Kurzwahlflächen unter dem Display und die Tasten am Lenkrad.

Bei der Assistenz trennt Peugeot deutlich nach Ausstattung. Abstandsregeltempomat, Spurhalteassistent mit Lenkeingriff, Verkehrszeichenerkennung und ein erweiterter Notbremsassistent sind überall an Bord. Totwinkelwarner, Rundumkameras und die teilautomatisierte Spurführung kosten dagegen Aufpreis oder setzen eine höhere Linie voraus. Und die Sicht nach hinten ist ohnehin nicht die Stärke des Autos: Breite Dachsäulen und nicht versenkbare Fondkopfstützen schränken den Blick ein — eine Rückfahrkamera wäre hier eigentlich Pflicht statt Option.

Bildergalerie

Peugeot E-308 SW Aussenansicht
Peugeot E-308 SW Heckansicht
Peugeot E-308 SW Innenraum
Peugeot E-308 SW Infotainment
Peugeot E-308 SW Kofferraum

Einordnung im Ranking

Der Peugeot e-308 SW besetzt eine Nische, in der es kaum Gedränge gibt. Wer einen elektrischen Kombi der Kompaktklasse sucht, landet fast zwangsläufig beim technisch eng verwandten Opel Astra Sports Tourer Electric, beim günstigeren MG5 oder — eine Klasse und einige tausend Euro höher — beim Nio ET5 Touring. Gemessen an dem, was er für sein Geld bietet, ist der Peugeot dabei gut aufgestellt: gutes Preis/Leistung, etwas günstiger als erwartet — vor allem, weil Wärmepumpe, Schnelllader und Ladeplanung schon in der Basis stecken.

Passen wird er zu Pendlern und Familien, die viel Platz und wenig Verbrauch wollen und ihre Langstrecken planbar halten. Wer dagegen häufig mit Tempo 150 über die Autobahn reist, einen Anhänger zieht oder Wert auf ein flottes Infotainment legt, sollte sich die Konkurrenz genauer ansehen.

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