EV-Supertest-Wertung
Gesamtwertung
Preis/Leistung
1,0 / 6Separate Kennzahl, nicht im Ranking.
Bewertung im Detail
Fazit
Der Cadillac OPTIQ macht als Auto zum Wohlfühlen vieles richtig: Er ist ausgesprochen leise, sauber verarbeitet, bietet hinten viel Platz und lässt sich dank echter Tasten und Dreh-Drück-Steller angenehm unaufgeregt bedienen. Die Vollausstattung zum Einheitspreis ist eine wohltuende Ansage. Auf der Messstrecke wird es dann nüchtern: 22,4 kWh netzseitig und 383 Kilometer reale Reichweite sind für 2,4 Tonnen erklärbar, aber nicht gut, und 110 kW Spitzenladeleistung sind in dieser Preisklasse schlicht zu wenig. Dazu kommt ein für die Außenmaße kleiner Kofferraum. Wer überwiegend regional fährt, zu Hause lädt und Ruhe über Effizienz stellt, bekommt hier ein eigenständiges, sympathisches Auto. Für alle anderen ist er teuer fürs Gebotene.
Pro
- Sehr guter Geräuschkomfort dank Doppelverglasung und aktiver Geräuschunterdrückung
- Hochwertige Verarbeitung und ungewöhnliche Materialien im Innenraum
- Echte physische Bedienelemente neben dem 33-Zoll-Display
- Praktisch vollständige Serienausstattung, beide Linien preisgleich
- Wärmepumpe und manuell auslösbare Batterie-Vorkonditionierung ab Werk
- Dreiphasiges AC-Laden mit 22 kW
- Viel Knieraum im Fond
Contra
- Hoher Realverbrauch von 22,4 kWh auf 100 Kilometer
- Nur 110 kW Spitzenladeleistung, 400-Volt-Technik
- Kofferraum mit 443 Litern klein für 4,82 Meter Außenlänge
- Kein Frunk, kein bidirektionales Laden, kein Plug and Charge
- Straffes Abrollen auf 21 Zoll, keine adaptive Federung im Angebot
- Deutliches Untersteuern im Grenzbereich
- Anhängelast auf 680 Kilogramm begrenzt
Cadillac ist zurück in Europa — und zwar ausschließlich elektrisch. Der OPTIQ ist das Einstiegsmodell der Marke und tritt als 4,82 Meter langes SUV der Oberen Mittelklasse gegen Audi Q6 e-tron, BMW iX3 und Genesis GV60 an. Was ihn von fast allen Wettbewerbern unterscheidet: Es gibt genau eine Version, genau einen Preis und praktisch keine Aufpreisliste. Ob das reicht, um gegen die etablierte Premium-Konkurrenz zu bestehen, hängt weniger vom Auftritt ab als von den Messwerten — und da wird es differenziert.
Bildergalerie
Technische Daten
Reichweite und Verbrauch: die Rechnung geht nur bedingt auf
Green NCAP hat den OPTIQ im Frühjahr 2026 vermessen — und zwar exakt die Version, die bei uns verkauft wird. Im gemischten Profil aus Stadt, Landstraße und Autobahn stehen bei warmem Wetter 22,4 kWh auf 100 Kilometer, netzseitig gemessen, also inklusive der Verluste beim Laden. Daraus ergeben sich 383 Kilometer reale Reichweite. Der Hersteller nennt nach WLTP 19,9 kWh und 425 Kilometer; die Lücke zwischen Norm und Alltag ist also größer als der Schnitt.
Das deckt sich gut mit dem, was andere beobachtet haben. Die EV-Database kommt für dieselbe Variante auf umgerechnet 22,6 kWh netzseitig, die ADAC-Redaktion berichtete nach ihren Fahrten von Werten, die eher Richtung 25 als Richtung 20 tendierten, und carwow nennt eine Spanne von 20 bis 25 kWh. Für ein Auto mit 2,4 Tonnen Leergewicht, 21-Zoll-Rädern und 275er-Reifen ist das erklärbar — sparsam ist es trotzdem nicht.
Im Alltag heißt das: Wer pendelt, lädt zu Hause und merkt davon wenig. Wer im Winter unterwegs ist, schon: Green NCAP misst im Kaltprofil 34,7 kWh und nur noch 248 Kilometer. Immerhin hilft die Vorkonditionierung am Kabel spürbar, sie bringt im Mischprofil rund 76 Kilometer zusätzliche Reichweite zurück. Die Kehrseite bleibt: Effizienz ist nicht die Disziplin des OPTIQ.
Laden und Reisetauglichkeit: hier drückt der Schuh
Der OPTIQ arbeitet mit einer 400-Volt-Architektur, und Cadillac gibt die Spitzenladeleistung mit 110 kW an — ein Messwert einer unabhängigen Prüforganisation liegt dafür bisher nicht vor. Von 10 auf 80 Prozent soll es 36 Minuten dauern. Das ist in dieser Preisklasse wenig: Green NCAP bewertet das Schnellladen ausdrücklich als schwach, die EV-Database vergibt für die Langstreckentauglichkeit zwei von fünf Sternen.
Praktisch bedeutet das auf einer langen Fahrt: knapp 380 Kilometer Reichweite bei mildem Wetter, danach eine gute halbe Stunde Pause, und im Winter eher alle 250 Kilometer. Wer regelmäßig 600 oder 800 Kilometer am Stück fährt, wird das merken — ein Genesis GV60 mit 800-Volt-Technik ist an der Säule schlicht doppelt so schnell fertig. Für Gelegenheits-Langstrecke ist es planbar, für Vielfahrer ein echter Kompromiss.
Zwei Punkte auf der Habenseite: Am Wechselstrom lädt der OPTIQ dreiphasig mit 22 kW, das ist überdurchschnittlich und macht Zwischenstopps an normalen Ladesäulen erträglich. Und die Batterie-Vorkonditionierung lässt sich nicht nur über die Navigation, sondern auch manuell per Taste starten — Green NCAP hebt das ausdrücklich positiv hervor. Anhänger darf der OPTIQ ziehen, allerdings nur 680 Kilogramm gebremst; die Kupplung kostet extra.
Antrieb und Fahrdynamik: europäisch abgestimmt, aber schwer
Zwei Motoren, 224 kW Systemleistung, 480 Newtonmeter, Allradantrieb: In 6,3 Sekunden soll der Sprint auf Tempo 100 erledigt sein — das ist eine Herstellerangabe, die EV-Database korrigiert sie mit dem üblichen Abzug auf 6,7 Sekunden. Bei 184 km/h ist Schluss, für die linke Autobahnspur ist der OPTIQ also nicht gemacht.
Interessanter ist, was Cadillac am Fahrwerk gemacht hat: Lenkung und Abstimmung wurden eigens für Europa entwickelt. AUTO BILD beschreibt die Lenkung als erstaunlich mitteilsam und nicht künstlich entkoppelt, carwow bescheinigt ihr gute Kalibrierung und den Bremsen souveränes Verhalten. InsideEVs lobt das spontane Ansprechen, merkt aber an, dass der Vortrieb oberhalb von Tempo 100 deutlich nachlässt.
Die ehrliche Schwäche benennt der ADAC: Im Grenzbereich schiebt der OPTIQ heftig und ziemlich unvermittelt über die Vorderräder — knapp 2,4 Tonnen lassen sich eben nicht wegdiskutieren. Der hintere Motor ist ein Asynchronmotor, der bei gleichmäßiger Fahrt weitgehend mitläuft und erst bei Bedarf zupackt. Als flotter Gleiter funktioniert das gut, als Kurvenräuber weniger.
Komfort und Geräusch: leise ja, weich nein
Beim Geräuschkomfort spielt der OPTIQ seine Stärke aus. Doppelverglasung, aktive Geräuschunterdrückung und ein System, das Radvibrationen erkennt, bevor sie den Innenraum erreichen, sorgen für eine sehr ruhige Kabine; das Datenblatt weist 66 Dezibel Fahrgeräusch aus. Testfahrer beschreiben das übereinstimmend als eines der überzeugendsten Merkmale des Autos.
Beim Federungskomfort gehen die Urteile auseinander, und das gehört gesagt. Der ADAC nennt die Abstimmung fein austariert und den Komfort erfreulich hoch. carwow dagegen kritisiert eine Grundabstimmung, die auf rauen Straßen deutlich holpriger arbeite als bei Luxus-SUVs üblich, und vermisst eine adaptive Luftfederung. autoflotte beschreibt das Federungsverhalten bei kurzen, harten Stößen als etwas hölzern, AUTO BILD formuliert dieselbe Beobachtung wohlwollender und sagt, der OPTIQ federe an wie ein Sportwagen.
Der gemeinsame Nenner: Auf gutem Asphalt gleitet der OPTIQ vorbildlich, auf Flickenteppich meldet sich das Fahrwerk. Die serienmäßigen 21-Zoll-Räder tragen ihren Teil dazu bei. Wer Luftfederung als Maßstab nimmt, wird sie hier vermissen — sie ist schlicht nicht im Angebot.
Innenraum, Raumangebot und Verarbeitung: viel Platz, mäßiger Kofferraum
Innen macht der OPTIQ vieles richtig. Der ADAC beschreibt das Raumgefühl als großzügig, im Fond vor allem mit reichlich Knieraum; erst ab etwa 1,90 Meter Körpergröße wird die Kopffreiheit knapp. Das große Panoramadach hellt den Fond zusätzlich auf, öffnen lässt es sich allerdings nicht. Als Fünfsitzer taugt der OPTIQ damit gut für Familienalltag.
Bei der Verarbeitung ist das Echo einhellig positiv: sauber gefügt, hochwertige Materialien, dazu ein Materialkonzept mit recycelten Stoffen und einem Papier-Holz-Furnier, das auch aus der Nähe überzeugt. Für eine Marke, die in Europa neu anfängt, ist das ein starkes Argument.
Der Kofferraum ist die Enttäuschung. 443 Liter sind für ein 4,82 Meter langes SUV wenig, und auch die 1.340 Liter bei umgeklappten Lehnen reißen es nicht heraus. Unter dem Ladeboden liegt immerhin ein Fach mit gut 60 Litern für Ladekabel und Kleinkram. Einen Frunk unter der Fronthaube gibt es nicht — Konkurrenten mit reinem Heckantrieb sind hier praktischer.
Software, Bedienung und E-Funktionen: der Dreh-Drück-Steller rettet den Tag
Das gekrümmte 33-Zoll-Display mit sehr hoher Auflösung ist der Blickfang des Cockpits, und Tester beschreiben es übereinstimmend als elegant integriert statt aufgesetzt. Entscheidend für den Alltag ist aber etwas anderes: Cadillac hat physische Bedienelemente behalten. Ein Dreh-Drück-Steller in der Mittelkonsole, separate Klimatasten und eine Lautstärkewalze — in einem Umfeld, in dem fast alle Hersteller alles in Menüs verschieben, ist das ein echter Vorteil. Die AUTO ZEITUNG merkt an, dass der Steller in der Praxis sogar angenehmer ist als der Touchscreen, weil dieser recht weit entfernt sitzt.
Kritik gibt es trotzdem. Die Menüs gelten mehreren Redaktionen als stellenweise zu verschachtelt; InsideEVs berichtet, dass das Abschalten des Tempomaten fünf Eingaben brauchte und das Handschuhfach über einen Touch-Button geöffnet wird. Die kapazitiven Flächen am Lenkrad sind gewöhnungsbedürftig. Navigation und Sprachbedienung kommen von Google.
Bei den E-Funktionen ist die Basis solide: Wärmepumpe serienmäßig, Batterie-Vorkonditionierung automatisch und manuell, Ladeplanung an Bord, Sitzheizung vorn und hinten sowie Lenkradheizung ab Werk. Es fehlt allerdings jede Form von bidirektionalem Laden — weder Strom für Geräte noch fürs Haus. Plug and Charge beherrscht der OPTIQ ebenfalls nicht, nur das simplere Autocharge. Und Super Cruise, das teilautomatisierte Fahren, ist ein optionales Extra und kein Serienstand.
Preis und Ausstattung: eine erfrischend kurze Liste
65.000 Euro kostet der OPTIQ, und zwar in beiden angebotenen Linien — Premium Sport und Premium Luxury sind preisgleich. Dafür ist praktisch alles an Bord: Wärmepumpe, Panoramadach, Head-up-Display, Navigation, 360-Grad-Kamera, Einparkassistent, adaptiver Tempomat, Lederausstattung und ein AKG-Soundsystem mit 19 Lautsprechern. Aufpreis kosten laut Datenblatt nur Metallic-Lack und Anhängerkupplung.
Trotzdem bleibt der OPTIQ für das, was er messtechnisch liefert, teuer fürs Gebotene — hier zahlt man die Klasse und den Markennamen mit. Die schwache Ladeleistung und der hohe Verbrauch stehen einem Preis gegenüber, für den andere mehr Effizienz und deutlich mehr Ladetempo bieten. Dass im Handel bereits deutliche Nachlässe kursieren, ändert an der Listenpreis-Rechnung nichts, ist für Interessenten aber eine relevante Information.
Bildergalerie
Einordnung im Ranking
Der Cadillac OPTIQ ist ein Auto mit klarem Profil: leise, hochwertig verarbeitet, angenehm konventionell zu bedienen und ohne Ausstattungs-Roulette zu kaufen. Genauso klar sind seine Schwächen — Verbrauch, Ladeleistung und Kofferraum liegen unter dem, was man in dieser Preisklasse erwarten darf. Wo ihn das klassenübergreifend einordnet, zeigt der Blick auf die Platzierung.
Passen dürfte er zu Käufern, die viel Wert auf Ruhe, Materialqualität und ein aufgeräumtes Bedienkonzept legen, überwiegend im Umkreis von 300 Kilometern unterwegs sind und zu Hause laden können. Wer regelmäßig lange Strecken fährt, ist mit einem 800-Volt-Konkurrenten wie dem Genesis GV60 oder einem effizienteren Wettbewerber besser bedient.
Im EV-Supertest-Ranking · Platz 93 von 166
Quellen
- Green NCAP: Cadillac Optiq Premium Sport electric AWD automatic (Report 0243, 04/2026) – Ankerquelle
- ADAC Autokatalog: Cadillac OPTIQ Premium Sport AWD (ab 02/26)
- ADAC: Cadillac Optiq im Fahrbericht
- EV-Database: Cadillac OPTIQ 500 E4 (MY26)
- InsideEVs: Cadillac Optiq im ersten Test
- motor1: Cadillac Optiq (2026) im ersten Test
- AUTO BILD: Erste Fahrt im Cadillac Optiq
- carwow: Cadillac Optiq Test 2026
- AUTO ZEITUNG: Cadillac Optiq (2026) im Fahrbericht
- autoflotte: Cadillac Optiq Fahrbericht
- elektroauto-news.net: Cadillac Optiq im Test
- Euro NCAP: Cadillac OPTIQ (2025)
Bildquellen
- Cadillac Optiq Aussenansicht — © Cadillac
- Cadillac Optiq Heckansicht — © Cadillac
- Cadillac Optiq Seitenansicht — © Cadillac
- Cadillac Optiq Innenraum — © Cadillac
- Cadillac Optiq Infotainment — © Cadillac
- Cadillac Optiq Sitze — © Cadillac
- Cadillac Optiq Kofferraum — © Cadillac
Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.
