Opel Astra Electric im Test: sparsamer Kompakter mit Reichweiten-Schwäche

EV-Supertest-Wertung

Gesamtwertung

55,8 % 3,35 / 6

Preis/Leistung

3,5 / 6

Separate Kennzahl, nicht im Ranking.

Der Opel Astra Electric ist ein ehrlicher, sparsamer Kompakter, der genau eine Sache richtig gut kann: effizient fahren. Mit 16,5 kWh im Ecotest und serienmäßiger Wärmepumpe gehört er zu den genügsamsten Stromern seiner Klasse, und das handliche Fahrwerk samt echter Bedientasten macht ihn im Alltag angenehm unkompliziert. Der Preis dafür sind eine nur mittelmäßige Reichweite, ein durchschnittliches Ladetempo ohne Vorkonditionierung und ein Antrieb, dem der Elektro-Punch fehlt. Für Pendler und Kurz- bis Mittelstrecken ist er eine stimmige, fair bepreiste Wahl – für Vielfahrer auf der Langstrecke gibt es die besseren Alternativen.

Pro

  • Sehr niedriger Verbrauch (16,5 kWh inkl. Ladeverluste), Wärmepumpe serienmäßig
  • Handliches, direktes Fahrwerk und gute Geräuschdämmung
  • Echte physische Tasten für Klima und Kernfunktionen
  • Seit Preissenkung attraktives Preis/Leistungs-Verhältnis

Contra

  • Nur rund 350 km Reichweite – kleiner Akku
  • Durchschnittliches Laden, keine Batterie-Vorkonditionierung
  • Antrieb ohne Elektro-Punch, kein Frunk, knapper Kofferraum

Der Opel Astra Electric ist der erste vollelektrische Astra – und er tritt genau dort an, wo die meisten von euch ihr Auto wirklich brauchen: als handlicher, sparsamer Kompakter für die Pendelstrecke, die Familie und den ganz normalen Alltag. Statt auf eine reine E-Plattform setzt Opel auf die bekannte Stellantis-Technik, die auch unter dem Schwestermodell Peugeot e-308 steckt. Das bringt Vor- und Nachteile mit, die wir euch hier ehrlich aufdröseln. So viel vorweg: Bei der Effizienz spielt der Astra ganz vorn mit, bei Reichweite und Antriebstemperament muss er dagegen Federn lassen. Bewertet haben wir die 54-kWh-Version vor dem Facelift 2026, gestützt auf öffentlich verfügbare Messdaten und Testberichte.

Bildergalerie

Opel Astra Electric Aussenansicht
Opel Astra Electric Heckansicht
Opel Astra Electric Seitenansicht
Opel Astra Electric Innenraum
Opel Astra Electric Infotainment
Opel Astra Electric Sitze
Opel Astra Electric Kofferraum

Technische Daten

Marktstart 2023
Basispreis 37.990 €
Nutzbare Batterie 51 kWh
Realverbrauch 16,5 kWh/100 km
Verbrauch WLTP 15,6 kWh/100 km
Reale Reichweite 350 km
Ladeleistung (Peak) 107 kW
Ladezeit 10–80 % 31 min
Leistung 115 kW (156 PS)
0–100 km/h 9,2 s
Höchstgeschwindigkeit 170 km/h
Kofferraum 352 l
Frunk 0 l
Sitzplätze 5 Sitze
Anhängelast nicht zugelassen
Wendekreis 10,5 m
Maße (L×B) 4.374 × 1.860 mm
Antrieb Frontantrieb

Reichweite & Verbrauch: sparsam, aber kein Langstreckenläufer

Der größte Trumpf des Astra Electric ist sein niedriger Verbrauch. Im standardisierten ADAC Ecotest genehmigt er sich im Mittel nur 16,5 kWh auf 100 Kilometer – und dieser Wert enthält sogar schon die Ladeverluste, die beim Laden an der heimischen Steckdose entstehen. Damit zählt der Opel zu den effizientesten Kompakten überhaupt. Möglich macht das unter anderem die serienmäßige Wärmepumpe, die im Winter deutlich sparsamer heizt als eine klassische Widerstandsheizung, sowie das für ein E-Auto niedrige Gewicht.

Der Haken sitzt in der Batterie: Nutzbar sind nur rund 51 Kilowattstunden, und das ist im heutigen Feld eher unterdurchschnittlich. Unterm Strich stehen im Ecotest-Mischbetrieb etwa 350 Kilometer Reichweite. Für Pendeln, Stadt und die tägliche Runde reicht das locker – wer aber häufig zügig über die Autobahn fährt, sollte realistisch mit spürbar weniger rechnen, weil der Verbrauch bei Richtgeschwindigkeit klar in Richtung 20 kWh klettert. Gegen die Reichweiten-Riege der Klasse zieht der Astra hier den Kürzeren: Konkurrenten wie Hyundai Kona Elektro oder Kia Niro EV kommen mit größeren Akkus schlicht weiter.

Laden & Reisetauglichkeit: hier bremst der Opel

Am Schnelllader nimmt der Astra Electric in der Spitze gemessene 107 Kilowatt an – etwas mehr, als Opel mit 100 kW offiziell verspricht. Von 10 auf 80 Prozent vergehen so rund 31 Minuten. Das ist in Ordnung, aber kein Bestwert, und mehr als solide Hausmannskost sollte man nicht erwarten. An der Wallbox oder öffentlichen AC-Säule lädt er dreiphasig mit bis zu 11 kW.

Für die lange Reise summieren sich mehrere kleine Schwächen: die knappe Reichweite, das nur durchschnittliche Ladetempo und – besonders ärgerlich – die fehlende Batterie-Vorkonditionierung. Der Akku lässt sich also nicht automatisch auf Ladetemperatur bringen, bevor ihr am Schnelllader ankommt, was gerade im Winter Zeit kostet. Auch Ladestopps muss man der Routenplanung vor dem Facelift noch von Hand hinzufügen. Wer viel Strecke macht, merkt: Der Astra ist eher der zuverlässige Nahversorger als der entspannte Langstreckengleiter.

Antrieb & Fahrdynamik: fleißig, aber ohne Punch

An der Vorderachse sitzt ein E-Motor mit 115 kW – also rund 156 PS – und 270 Newtonmetern Drehmoment. Auf dem Papier klingt das ordentlich, in der Praxis ist der Astra Electric aber kein Temperamentsbündel: In 9,2 Sekunden geht es auf Tempo 100, bei 170 km/h ist abgeregelt Schluss. Bis etwa 100 km/h zieht er munter mit, darüber lässt der Vorwärtsdrang deutlich nach. Den typischen spontanen Elektro-Punch, den stärkere Stromer bieten, sucht man hier vergebens.

Dafür gefällt das Fahrwerk. Tester loben die direkte, agile Lenkung – der Opel fühlt sich handlicher an als so mancher Konkurrent wie der VW ID.3, und die tiefe Sitzposition erzeugt angenehme Straßenverbundenheit. Für Stadt und Landstraße ist die Leistung völlig ausreichend, sportliche Ambitionen sollte man aber nicht mitbringen. Unterm Strich ein gutmütiger, berechenbarer Antrieb – vielen Familien- und Flottenfahrern dürfte das wichtiger sein als Bestzeiten.

Komfort & Geräusch: leise auf der Bahn, ruppig über Kanten

Das Fahrwerk ist straff abgestimmt, aber keineswegs hart. Auf der Langstrecke punktet der Astra mit einer gelungenen Geräuschisolation: Die Akustikverglasung hält Windgeräusche gut draußen, im Innenraum herrscht angenehme Ruhe. Das passt zum Charakter eines effizienten Reisebegleiters für mittlere Distanzen.

Die Kehrseite zeigt sich im Detail: Bei langsamer Fahrt und über kurze Unebenheiten reicht der Abrollkomfort nicht ganz an die Besten heran, auch die Abrollgeräusche der sparsamen 18-Zoll-Reifen sind hörbar. Adaptive Dämpfer oder gar eine Luftfederung gibt es in dieser Klasse ohnehin nicht – der Astra bleibt ein solider, aber kein herausragender Komfort-Könner.

Innenraum, Raumangebot & Verarbeitung: vorn großzügig, hinten knapp

Vorn sitzt man im Astra richtig gut, das Platzangebot ist bei kompakten Außenmaßen großzügig, und die AGR-zertifizierten Sitze werden immer wieder gelobt. Der Kofferraum fällt mit 352 Litern allerdings knapp aus – rund 70 Liter weniger als beim Verbrenner-Astra, und einen Frunk unter der Haube gibt es nicht. Wer mehr Gepäck transportiert, ist beim längeren Kombi Sports Tourer deutlich besser aufgehoben.

Die Verarbeitung wirkt im Alltag wertig und vertraut, das Cockpit ist sauber gestaltet. Ganz ohne Kritik bleibt der Astra aber nicht: In Gebrauchtwagen-Tests der Baureihe tauchen Verarbeitungsmängel wie schlecht eingepasste Teppiche oder lockere Türdichtungen auf, dazu vereinzelt Infotainment-Abstürze. Das ist kein Drama, aber ein Punkt, den man im Hinterkopf behalten sollte.

Software, Bedienung & E-Funktionen: erfreulich viele echte Tasten

Opel bleibt seinem „Digital Detox“ treu: Unter den beiden 10-Zoll-Displays des Pure-Panel-Cockpits sitzen echte Tasten, und auch die Klimasteuerung lässt sich per Knopfdruck bedienen. Wer während der Fahrt nicht durch Menüs wischen möchte, wird das lieben. Smartphones binden sich kabellos über Apple CarPlay und Android Auto ein.

Perfekt ist die Software aber nicht. An die Menüführung muss man sich erst gewöhnen, grafisch wirkt das System vor dem Facelift etwas in die Jahre gekommen, und ein Infotainment-Meisterwerk ist es nicht. Bei den E-Funktionen zählt die serienmäßige Wärmepumpe klar zu den Pluspunkten – dafür fehlen die Batterie-Vorkonditionierung, ein Frunk und eine komfortable automatische Ladeplanung. Die Assistenzsysteme sind solide vorhanden, reichen in der Ausstattung aber nicht ganz an die Referenz der Klasse heran.

Einordnung im Ranking

Seine direkten Alternativen sind der VW ID.3, der Kia Niro EV und der Hyundai Kona Elektro, dazu der technisch eng verwandte Peugeot e-308. Gegen diese Riege spielt der Astra vor allem seine Effizienz und sein handliches, klassisches Bedienkonzept aus – bei Reichweite und Ladetempo muss er sich dagegen geschlagen geben.

Am besten passt der Opel Astra Electric zu euch, wenn ihr einen sparsamen, unkomplizierten Kompakten für Stadt, Pendeln und mittlere Strecken sucht und Wert auf echte Tasten statt reiner Touch-Bedienung legt. Seit der Preissenkung bietet er zudem ein gutes Preis/Leistungs-Verhältnis und ist etwas günstiger, als man für das Gebotene erwarten würde. Wer regelmäßig lange Autobahnetappen fährt, schaut aber besser bei der reichweitenstärkeren Konkurrenz.

Bildquellen

  • Opel Astra Electric Aussenansicht — © Stellantis Presseportal
  • Opel Astra Electric Heckansicht — © Stellantis Presseportal
  • Opel Astra Electric Seitenansicht — © Stellantis Presseportal
  • Opel Astra Electric Innenraum — © Stellantis Presseportal
  • Opel Astra Electric Infotainment — © Stellantis Presseportal
  • Opel Astra Electric Sitze — © Stellantis Presseportal
  • Opel Astra Electric Kofferraum — © Stellantis Presseportal

Bewertet nach eigener Rubrik v1.0 auf Basis öffentlich verfügbarer Messdaten mehrerer Quellen. Keine eigenen Fahrtests.

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